Verbissener Wettbewerb
IBM will die Hoheit über Computernetze

Der zweitgrößte Softwarehersteller der Welt liefert sich harte Gefechte mit dem Konkurrenten Microsoft.

MÜNCHEN. "Es muss eine Möglichkeit geben, dass Kunden zwischen verschieden Softwareanbietern wählen können", sagt IBM-Software-Chef Steve Mills im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Und es wird eine Möglichkeit geben", ergänzt Mills, gedacht als Seitenhieb auf den Konkurrenten Microsoft mit dem sich IBM einen verbissenen Wettbewerb um die technologische Vorherrschaft in den Computernetzen der Zukunft liefert.

Bereits seit längerer Zeit versucht Microsoft, in das überaus lukrative und umfangreiche Softwaregeschäft von IBM einzubrechen: Betriebsysteme für Computernetze, Systemverwaltungs- und Sicherheitssoftware, Portal- und Kommunikationssysteme, Software für die Vernetzung unterschiedlichster Anwendungen. Alles ausgerichtet auf Großkunden in der Wirtschaft und Verwaltung.

Unterm Strich hat IBM im vergangenen Jahr mehr als 13 Mrd. $ mit Software umgesetzt und ist damit weltweit die Nummer Zwei hinter Microsoft und vor Oracle und SAP. Für IBM-Chef Sam Palmisano ist die Software Group eine kleine, aber hoch profitable Truppe. Nur 24 000 der weltweit rund 300 000 IBM-Mitarbeiter gehören zur Abteilung Software. Doch die erwirtschafteten im ersten Quartal knapp ein Drittel des gesamten Vorsteuergewinns von IBM.

Und Palmisano will aus seinen Software-Ingenieuren noch mehr herausholen. Gegenüber Analysten kündigte er an, die operative Gewinnmarge im Softwaregeschäft von rund 25 % auf 32 % im Jahr 2005 steigern zu wollen. Im Bereich der Netzwerkrechner (Server) und Speicher geht der IBM-Chef dagegen bis 2005 nochmals von mehr als einer Halbierung der operativen Margen von 13 % auf 6 % aus. Damit ist Software neben IT-Services eines der beiden Pferde, auf die Palmisano verstärkt setzen will.

Dafür ist er zusammen mit Software-Chef Steve Mills auch bereit, Geld für Übernahmen auf den Tisch zu legen: Erst vor wenigen Monaten hat sich Big Blue den Softwareentwickler Rational für 2,1 Mrd. $ einverleibt. Die Übernahme von Rational hat neben der Erweiterung des Produktportfolios nach Einschätzung von Marktexperten noch eine tiefere Bedeutung: Rational ist neben Borland eines von zwei großen Unternehmen die Entwicklungswerkzeuge für Software-Ingenieure programmieren - auch für die Entwickler von Microsoft-Anwendungen. "IBM wird versuchen auf diesem Weg die Entwickler-Community von Microsoft zu schwächen", glaubt ein Insider.

Doch auch auf der Ebene der Betriebsysteme liefern sich die beiden Software-Riesen verbissene Grabenkämpfe. So unterstützt IBM das Betriebsystem Linux, das - ähnlich wie die Serverprodukte von Microsoft - für den Betrieb von Computernetzen eingesetzt werden kann. Doch bei Linux fallen kaum Lizenzkosten an Microsoft wiederum versucht aus einem Rechtsstreit um angebliche Patentverletzungen durch den Linux-Programmcode Kapital zu schlagen. Microsoft bezahlt der klagenden Firma SCO mittlerweile Lizenzgebühren für Linux, in der Hoffnung, dass für alle Linux-Anwender diese Gebühren künftig auch anfallen.

Derzeit stehen sich die beiden Kontrahenten auch in der bayerischen Landeshauptstadt gegenüber, wo am 28. Mai die Entscheidung darüber fallen wird, ob die Stadt München künftig Microsoft oder Linux einsetzen wird. Angeblich soll Microsoft gesonderte Finanzmittel bereit gestellt haben, um bei wichtigen Aufträgen Linux durch Rabatte auszustechen. Laut Presseberichten soll Microsoft in München derzeit preislich die Nase vorne haben.

Die Software-Entscheidung bescherte Münchens Oberbürgermeister bereits prominenten Besuch aus den USA: In den vergangen Wochen hat Microsoft-Chef Steve Ballmer dem Münchener Rathaus mehr als einen Besuch abgestattet. Doch nach Informationen aus Branchenkreisen soll sich am vergangenen Wochenende auch IBM-Chef Sam Palmisano auf den Weg nach München gemacht haben

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