Verbliebene Mittel höher als Kurswert
Aktionärsschützer fordern Aus für Buchversender Mediantis

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) forderte in einer am Freitag verbreiteten Erklärung, in der Hauptversammlung am 24. Juli 2001 über eine Auflösung der Mediantis AG abstimmen zu lassen. Zur Begründung hieß es, der Versand von Büchern über das Internet funktioniere nicht. Zudem werde das Unternehmen von einem "wenig fähigen Management" geleitet. Mediantis wies die Forderung zurück.

DÜSSELDORF. Der stellvertretende Geschäftsführer der Vereinigung, Markus Straub, sagte, die SdK habe ein Zeichen setzen wollen. "Uns ging es darum, deutlich zu machen, dass die Aktionäre bei diesem Unternehmen besser fahren, wenn sie sich auszahlen lassen, denn eine Liquidation brächte den Aktionären mehr als die derzeitige Bewertung an der Börse."

Die Liquidität belief sich Unternehmensangaben zufolge zum 31.3. 2001 noch auf 15,3 Mill. Euro. An der Börse wurden die zu 19 Euro ausgegebenen Titel heute Mittag mit 1,18 Euro bewertet. Die Marktkapitalisierung liegt damit bei rund 9,4 Mill. Euro. In der Mitteilung der SdK wird daraus die Folgerung gezogen, dass "der Markt das von der Mediantis AG aufgebaute operative Geschäft nicht nur als wertlos, sondern sogar negativ bewertet". Die SDK kritisiert dabei besonders, dass die Geschäftsführung des Unternehmens durch die Anlage in einem Spezialfonds im ersten Quartal 2001 einen Millionenverlust verursacht habe. Straubs Angaben zufolge handelt es sich dabei um einen Fonds von Julius Bär, der von dem mittlerweile entlassenen Kurt Ochner betreut wurde.

Management weist Kritik zurück

Der Vorstand des Unternehmens teilte mit, die Forderung nach einer Auflösung sei nicht berechtigt, die schlechte Börsenbewertung liege "im Trend der Negativbewertungen gegenüber einem Großteil der Neuen-Markt-Werte". Nach Auffassung der Geschäftsleitung zeigen die Geschäftszahlen des Unternehmens "klar den Weg zur Profitabilität auf". Ende März hatte das Unternehmen mitgeteilt, wohl erst im Geschäftsjahr 2003 in die Gewinnzone zu kommen. Zuvor hatte das Unternehmen schwarze Zahlen bereits im 4. Quartal 2001 in Aussicht gestellt.

Die Investition in den Fonds habe sich für die Aktionäre ausgezahlt, hieß es in der Mitteilung weiter. Seit Bestehen sei eine positive Rendite von 9,7 % im Jahr für die Aktionäre erwirtschaftet worden. Mit dieser Darstellung widerspach Mediantis aber nicht der Darstellung der Schutzvereinigung, die von einem Verlust im ersten Quartal in Höhe von 1,2 Mill. DM gesprochen hatte.

Altaktionäre investierten lieber woanders

Heftig kritisiert werden von den Aktionärsschützern die im jüngsten Quartalsbericht publik gewordenen Aktienverkäufe der Altaktionäre nach der Haltefrist. Die SdK folgert, dass offensichtlich "auch auf höchster Unternehmensebene Zweifel am Gelingen des Geschäfts bestehen". Seit dem Ablaufen der Haltefrist am 5. Juli vergangenen Jahres hätten sich Vorstand und Altaktionäre im großen Stil von den Titel getrennt.

So habe das Vorstandsmitglied Rolf Freiherr von Rheinbaben beim Börsengang noch 744 445 Aktien gehalten. Im jüngsten Geschäftsbericht wird er nur noch mit 675 252 Aktien geführt. Auch Georg Heusgen halte mittlerweile deutlich weniger Aktien als beim IPO. Im Aufsichtsrat sei vor allem das geringe Vertrauen des Verlegers Florian Langenscheid frappierend. Beim Börsengang war Langenscheidt noch mit 447 146 Aktien an Bord. Zuletzt hielt Langenscheidt noch 79 147 Anteile.

Weniger als eine Million an Aktienkapital für Antrag notwendig

Straub sagte, die SdK gehe nicht nicht davon aus, dass Mediantis den Antrag freiwillig auf die Tagesordnung setzen werde. Die Schutzgemeinschaft rechne sich aber gute Chancen aus, 5 Prozent des Aktienkapitals zu mobilisieren, um eine Sonderhauptversammlung einzuberufen. Die 400 000 dafür benötigten Aktien repräsentierten mittlerweile weniger als 1 Mill. DM an Kapital. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Antrag selbst durchkommt, wird indes auch von der SdK als eher gering eingeschätzt. Denn die dafür notwendige Zweidrittel-Mehrheit ist nur mit der Unterstützung durch die Altaktionäre zu erreichen.

Aktionärsschützer wollen Auflösung verstärkt ins Gespräch bringen

Die SdK könnte in den kommenden Monaten auch weitere Firmen am Neuen Markt mit der Forderung nach einer Auflösung konfrontieren. Straub sagte: "Es gibt sicherlich noch anderen Firmen, bei denen Zweifel am Geschäftsmodell geraten sind."

Auch bei der mit 25 000 Mitgliedern größten Schutzgemeinschaft in Deutschland, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), wird mittlerweile die Liquidation als Alternative ins Spiel gebracht. Pressesprecherin Petra Krüll sagte, bislang habe sich die Vereinigung aber nur grundsätzlich zu einer Auflösung geäußert. "Bevor das gesamte vorhandene Kapital verbrannt ist, kann es sinnvoll sein, das Unternehmen zu verkaufen oder eine Liquidation vorzunehmen. Denn für die Aktionäre ist es noch schmerzlicher, wenn sie überhaupt kein Geld mehr bekommen." Die Auflösung kommt nach ihren Worten vor allem dann in Betracht, sollte ein Unternehmen Mittel in Fonds investieren. "Wenn noch nicht einmal eine vernünftige Geschäftsidee vorhanden ist, sollte das Unternehmen den Aktionären besser das Geld zurückgeben."

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