Verbot in Deutschland unmöglich
TV-Sender wollen weiter bin-Laden-Videos zeigen

Weltweit wollen Fernsehsender entgegen der Forderung der US-Regierung auch künftig Fernsehvideos des Radikal-Islamisten Osama Bin Laden ausstrahlen, dabei aber journalistische Kriterien anlegen. ARD, ZDF, RTL, n-tv und N24 teilten am Donnerstag übereinstimmend mit, dass sie Filmmaterial von Bin Laden oder dessen Organisation El Kaida nur in Ausschnitten sendeten und in einen redaktionellen Kontext stellten.

Reuters LONDON/STUTTGART. Die US-Sender ABC, CBS, CNN, Fox und NBC kündigten an, Filmmaterial zu prüfen und nicht live zu senden. Die US-Regierung fürchtet, dass bin Laden seinen Anhängern in den Videos geheime Nachrichten zukommen lassen könnte.

Nur wenn der Beweis der Verbreitung geheimer Nachrichten mittels dieser Videos erbracht würde, käme ein vollständiger Stopp der Ausstrahlung in Frage, sagte eine Sprecherin des Nachrichtensenders n-tv. Ein RTL-Sprecher sagte dazu: "Wir gehen davon aus, dass sich die Bedenken der US-Regierung nur gegen die Worte bin Landes richten und nicht gegen das Video als solches." RTL sende daher nur kurze Ausschnitte und überspiele Zitate bin Ladens mit der deutschen Übersetzung, so dass dessen Worte nicht zu hören seien. Das ZDF verfuhr bei der jüngsten per Video verbreiteten Rede eines El-Kaida-Funktionärs eigenen Angaben zufolge ähnlich. RTL-Nachrichtenchef Michael Wulf ergänzte, es werde alles getan, um bin Laden weder eine Propaganda-Plattform noch die Möglichkeit zur Mobilisierung seiner Anhänger zu bieten.

Der News-Corp-Chef Rupert Murdoch, zu dessen Konzern auch der US-Nachrichtensender Fox News gehört, hatte den Stopp von bin-Laden-Videos angekündigt, falls es derartige Befürchtungen gebe. "Wir werden tun, was unsere patriotische Pflicht ist", sagte der gebürtige Australier Murdoch, der inzwischen US-Bürger ist.

Der Nachrichten- und Informationskonzern Reuters, der weltweit mehr als 350 Fernsehsender mit Filmmaterial versorgt, teilte mit, jedes Video nach seinem Informationswert zu beurteilen. "Wenn uns ein bin-Laden-Video angeboten würde, würden wir nach redaktionellen Kriterien darüber entscheiden, ob es Nachrichtenwert hat, bevor wir es unseren Kunden weitergeben. Diese haben selbstverständlich die letzte Entscheidung darüber zu treffen, ob sie das Material ausstrahlen oder nicht", sagte Rodney Pinder von Reuters Video News.

Das US-Präsidialamt hatte zuvor an die Fernsehanstalten appelliert, Videos mit bin Laden oder seinen Funktionären nicht mehr oder zumindest nicht mehr in voller Länge zu zeigen, damit nicht darin eventuell enthaltene geheime Signale an so genannte "Schläfer" zu neuen Gewalttaten gegen die USA aufrufen könnten. Experten äußerten auch die Sorge, dass die Ausstrahlung solcher Videos in islamischen Ländern extremistische oder fundamentalistische Gruppen zu neuer Gewalt animieren könnten.

Nach Einschätzung deutscher Sicherheitsexperten ist es aber unwahrscheinlich, dass Osama bin Laden mit seinem im Fernsehen ausgestrahlten Interview nach Beginn der Luftangriffe der USA gegen Afghanistan verschlüsselte Botschaften an seine Verbündeten verbreitet hat. bin Laden habe viel direktere Wege, über die er seine Handlanger informieren könne, sagte ein Experte. So könne er weiterhin problemlos über Kuriere, Handy oder verschlüsselte Internet-Botschaften Nachrichten an seine Verbündeten übermitteln.

Den Aussagen von Medienrechtsexperten zufolge wäre es für die Bundesregierung rechtlich unmöglich, die Ausstrahlung der Bilder zu verhindern. Es liege aber in der Verantwortung der Journalisten und der Redaktionen, das Material mit erklärenden und einordnenden Informationen zu ergänzen, sagte Jo Groebel, Generaldirektor der Europäischen Medieninstitutes. Vor allem sollte das Material nicht ungeschnitten gesendet werden, wie zunächst teilweise geschehen. Denn dadurch bestehe die Gefahr, dass der Redner Eindruck auf die Zuschauer machen könne.

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