Verbraucher greifen vermehrt zu Billigprodukten
Auch Körperpflege leidet unter knappen Kassen

Die Verbraucher in Deutschland greifen angesichts knapper Kassen auch bei der Körperpflege vermehrt zu Billigprodukten. Erstmals ist 2002 deshalb das Geschäft mit Haarpflegemitteln, Zahnpasta, Kosmetik und Parfums zurückgegangen.

HB/dpa FRANKFURT. Vor allem der Erfolg der mächtigen Discount-Ketten ließ den Gesamtmarkt in diesem Jahr um 0,7 Prozent auf 11,05 Milliarden Euro zurückgehen. Dies berichtete der Industrieverband Körperpflege und Waschmittel (IKW) am Mittwoch in Frankfurt.

Mit verstärkter Werbung und neuen Produkten wollen deshalb die großen Markenhersteller den Trend zu Aldi, Lidl und Drogeriemärkten im kommenden Jahr zumindest bremsen. Das kündigte der IKW-Vorsitzende und Henkel-Manager Jörg Koppenhöfer an. Die schlechte Stimmung unter den Verbrauchern, ihre Unsicherheit über die Zukunft sowie die gestiegene Sparneigung machten den Abwehrkampf gegen preisgünstige Handelsmarken allerdings schwer.

Bei Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln stieg die Nachfrage 2002 noch geringfügig um 0,6 Prozent auf 3,88 Milliarden Euro. Damit wurde die Hoffnung der Branche nicht erfüllt, die über alle Sparten der Körperpflege- und Waschmittel mit einem Zuwachs von 2 bis 3 Prozent gerechnet hatte. Für das kommende Jahr sind die Erwartungen nun niedriger gesteckt. "Unter Berücksichtigung des lebhaften Wettbewerbs sowohl auf der Hersteller- als auch auf der Handelsseite wären wir zufrieden, wenn wir im Jahre 2003 ein leichtes Plus erreichen können", betonte Koppenhöfer.

Die verschärfte Konkurrenz trifft allerdings nicht alle 350 Verbandsmitglieder gleichermaßen. Während bei den Verbrauchern vor allem die großen Werbetreibenden wie Henkel (Persil), Beiersdorf (Nivea), L'Oréal sowie Wella und Procter&Gamble (Ariel, Meister Proper) bekannt sind, dominieren im IKW mit 85 Prozent die mittelständischen Unternehmen. Aus dieser Gruppe stammen überwiegend die Produkte der expandierenden Discount-Riesen, berichtete der IKW- Vorsitzende.

Nach Darstellung des Henkel-Managers nehmen die Konsumenten beim Griff ins Billig-Regal "bewusst Qualitätseinbußen in Kauf". Zahlreiche Veröffentlichungen der Stiftung Warentest zeigen allerdings, dass auch die zum Teil erheblich billigeren Erzeugnisse wenig bekannter Hersteller hinsichtlich der Qualität durchaus mithalten können.

Angesichts der stagnierenden Nachfrage und häufig gesättigter Teilmärkte hofft die Branche, bei den Männern noch zusätzliche Kunden gewinnen zu können. Doch auch die Herren-Kosmetik ist bereits seit zwei Jahren wieder rückläufig. Das Umsatzminus fiel 2002 mit 1,3 Prozent auf 660 Millionen Euro sogar überproportional aus.

Beim Pro-Kopf-Verbrauch liegen Deutschlands Männer und Frauen mit Körperpflegemitteln in Westeuropa an zehnter Stelle (Stand 2001). Für die Pflege und die Schönheit gaben sie 135 Euro aus. An der Spitze liegen die Schweizer mit 219 Euro, gefolgt von Norwegen, Frankreich und England. Dabei spielt nach Darstellung des IKW allerdings auch das unterschiedliche Preisniveau in den einzelnen Ländern eine Rolle. Aus Sicht der Konsumenten stelle Deutschland den günstigsten Markt dar, sagte IKW-Geschäftsführer Bernd Stroemer.

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