Verbraucher halten ihr Geld zusammen
Wirtschaftsforscher sieht "Silberstreif am Horizont"

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim erwartet spätestens Anfang 2003 eine konjunkturelle Belebung in Deutschland.

ddp.vwd MÜNCHEN. "Ich sehe einen Silberstreif am Horizont", sagte ZEW-Konjunkturexperte Peter Westerheide am Montag im ARD-Mittagsmagazin. Der Aufschwung werde zum Teil exportgetrieben sein und zum Teil durch die Überwindung des momentanen Stimmungstiefs in Gang gesetzt. Dieses Tief zeige sich vor allem beim privaten Konsum, der im laufenden Jahr im Vergleich zum Vorjahr "stark eingebrochen" sei. Im ersten Quartal habe das Minus bei real 0,3 Prozent gelegen, und auch das zweite Quartal sei nicht besser verlaufen. "Es muss schon viel passieren, um im laufenden Jahr noch mit einem blauen Auge davon zu kommen", sagte Westerheide.

Insgesamt hätten alle Sparten des Einzelhandels in den vergangenen acht Monaten Rückgänge in einer "so noch nicht da gewesenen" Form hinnehmen müssen, sagte der ZEW-Experte. Dafür gebe es mehrere Gründe. Wegen der Konjunkturflaute hielten die Verbraucher ihr Geld zusammen und wappneten sich offenbar für wirtschaftlich schwierige Zeiten. Hierbei spiele auch die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust eine Rolle. Die Konsumlaune sei zudem durch das schlechte Wetter vermiest worden. Dadurch seien im Winter die Preise für Obst und Gemüse hochgetrieben worden, was "fälschlicherweise mit Europreissteigerungen verwechselt" worden sei.

Im Sommer habe das schlechte Wetter besonders dem Textilhandel erhebliche Probleme bereitet, sagte Westerheide. Psychologische Effekte habe zudem die schlechte Stimmung an den Börsen gehabt, die auch zur Kaufzurückhaltung beigetragen habe. Nach Meinung des ZEW-Experten spricht aus ökonomischer Sicht nichts dagegen, den Schlussverkauf abzuschaffen und dafür mehr Rabattaktionen zuzulassen. Eine weitere Deregulierung der Sonderverkaufsmöglichkeiten sei nicht zu beanstanden und könne den Preiswettbewerb intensivieren. "Solange das Ganze im Rahmen fairen Wettbewerbs bleibt und Missbräuche unterbunden werden, sehe ich darin keine Problem", sagte Westerheide.

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