Verbraucher sollen genau auf Preise achten
Der Euro verwirrt noch immer den Benzinmarkt

Der deutsche Benzinmarkt kommt drei Wochen nach Einführung des Euro-Bargelds noch immer nicht zur Ruhe. "Die Firmen belauern sich gegenseitig und probieren alle möglichen Preise aus", sagt eine Insiderin.

dpa HAMBURG. Das seit vielen Jahren eingeübte Verhaltensmuster mit regelmäßigen Preisrunden der großen Mineralölgesellschaften gilt seit dem 1. Januar nicht mehr und ist noch nicht durch eine neue Routine abgelöst worden.

"Die Preislandschaft ist sehr unübersichtlich geworden", sagt Karl-Heinz Schult-Bornemann von der ExxonMobil. So reagieren die Firmen teilweise gar nicht oder verspätet auf Preiserhöhungen der Konkurrenten, sie erhöhen ihre Preise um abweichende Beträge oder senken sie gar, wenn andere die Preise erhöhen. Eine klare Linie sei nicht zu erkennen. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) hat gleichzeitig ein eher schwaches Interesse an den Benzinpreisen registriert, verglichen mit früheren Jahren. "Die Autofahrer haben noch kein richtiges Gefühl für die neuen Preise entwickelt", sagt Verbandssprecherin Barbara Meyer-Bukow. "Sie können nicht einschätzen, ob der Liter nun 94 oder 97 Cent kosten sollte."

Verglichen mit den Höchstständen im vergangenen Jahr ist der Sprit noch recht günstig. Normalbenzin kostet an Esso-Stationen 95,5 Cent im bundesweiten Durchschnitt, gegenüber 91,0 Cent am letzten Tag des alten Jahres. "Wir haben also eine Preiserhöhung von 4,5 Cent", rechnet der ExxonMobil-Sprecher vor. "Davon entfallen 3,6 Cent auf die höheren Steuern zum Jahresbeginn." Der Rest ist innerhalb der üblichen Preisschwankungen, bedingt durch Rohstoffpreise, Dollar-Kurs und Wettbewerb. Der Steueranteil am Benzinpreis ist durch die 4. Stufe der Öko-Steuer auf 80 % geklettert.

Die Verbraucher sollten angesichts der neuen Unübersichtlichkeit auf dem Benzinmarkt noch aufmerksamer als bislang die Preise der Tankstellen vergleichen, raten die Experten. Dabei müssen sie jetzt auch auf die kleinen Ziffern hinter dem Komma achten: Shell und DEA versuchen, mit einer hochgestellten 4 den halben Cent und damit das alte Preisintervall von einem Pfennig auf dem Markt zu etablieren. Die Konkurrenten ziehen bislang eher halbherzig bis gar nicht mit. "Wir können noch nicht sagen, ob sich das durchsetzen wird", räumt Shell-Sprecher Rainer Winzenried ein. Ansonsten sieht er die Lage gelassen: "Dass die Marktteilnehmer eine unterschiedliche Preispolitik fahren, gab es schon immer mal. Die Entwicklung in diesem Jahr ist nicht spektakulär."

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