Verbraucher stillen Durst zunehmend alkoholfrei
Kunststoff-Flaschen setzen Siegeszug fort

Die heißen Tage in diesem Frühjahr kamen den Abfüllern von Mineralwässern, Limonaden und anderen Erfrischungsgetränken recht: Im ersten Halbjahr 2002 steigerten sie ihren Absatz um 7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

DÜSSELDORF. Langfristig lässt sich ein Trend hin zu alkoholfreien Getränken beobachten, deren Verbrauch in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 26 % zugelegt hat. 2001 hat jeder Deutsche im Schnitt 256 Liter alkoholfreie Getränken verbraucht. "Das ist ein Trend, der in den nächsten Jahren noch an Bedeutung gewinnen wird", sagt Christoph Schlienkamp, Analyst beim Bankhaus Lampe. Die Konsumenten achteten verstärkt auf gesundheitsbewusste Ernährung.

Das merken auch die Getränke-Abfüller: "Getränke mit Mineralstoffen, Vitaminen oder belebenden Zusatzstoffen, die den Verbrauchern einen klar erkennbaren Zusatznutzen bieten, sind beliebt", sagt Andreas Stücke, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke. Der Absatz von Sportgetränken stieg in der ersten Jahreshälfte um 163 %, Energy Drinks legten gar um 225 % zu.

Ein Beispiel für das Erfolgsrezept solcher Energielieferanten bietet die Firma Gondwana Trade, die den deutschen Markt seit 1997 mit "Water Joe" versorgt. Laut einer Umfrage des "Disco-Magazins" unter 1 500 Diskothekenbetreibern ist das koffeinhaltige Wasser inzwischen das beliebteste alkoholfreie Getränk in den Diskos - und übertrifft selbst etablierte Cola-Brausen.

Aber die Verbraucher legen nicht nur Wert auf einen Zusatznutzen, sondern auch auf ihre Bequemlichkeit. Zum einen führt dies dazu, dass Mischgetränke nicht mehr selbst zubereitet, sondern am liebsten konsumfertig in der Flasche gekauft werden. Bei Teegetränken beobachtete die Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung (GfK) bis April ein Absatzwachstum von 20,4 %, bei Fruchtschorlen einen Zuwachs von 14,7 %.

Zum anderen bedeutet der Trend zu mehr Bequemlichkeit, dass sich die leichten Kunststoffflaschen aus Polyethylenterephthalat (Pet) gegenüber den herkömmlichen Glasflaschen durchsetzen. Fast zwei Drittel der alkoholfreien Getränke wurden vor zwei Jahren in Glasflaschen verkauft, heute sind es noch 45 %. Das Potenzial der Pet-Flaschen frühzeitig erkannt haben die Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. und die Adelholzener Alpenquellen GmbH, die bereits 1997 die ersten Pet-Mehrweg-Flaschen auf den Markt brachten. "Wir haben Flaschen und Kisten selbst entwickelt", so Stefan Hoechter, Geschäftsführer von Adelholzener. 29 % der Getränke des bayerischen Mineralbrunnens werden inzwischen in Pet-Flaschen abgefüllt. Und der Erfolg bestätigt die Strategie: 2001 verzeichnete Adelholzener ein Absatzwachstum von 8 %, der Umsatz ist um 15,5 % gestiegen.

Der Dortmunder Getränkekonzern Brau und Brunnen AG dagegen, der laut Auskunft von Unternehmenssprecherin Birgit Czernotzky im letzten Jahr noch eine "Pet-Wüste" darstellte, hat den Trend lange ignoriert. Marken wie Apollinaris konnten deshalb nicht vom Trend zu den Kunststoffflaschen profitieren. Die Folge: 2001 sank der Absatz um 5,5 %. Nach massiven Investitionen in Pet-Anlagen - allein die Abfüllanlagen für die Marke Sinziger kosteten 15 Mill. Euro - hofft Brau und Brunnen nun, bei den alkoholfreien Getränken in diesem Jahr Boden gut machen zu können.

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