Verbraucher unter Druck
„Ich sehe nur, dass die Preise steigen“

In den USA ist das allgemeine Preisniveau im April um 3,5 Prozent gestiegen; der Inflationsdruck wächst. Die Notenbank Federal Reserve hat aus diesem Grund weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen.

NEW YORK. Die vier Taxifahrer auf dem Parkplatz der Bahnstation in der amerikanischen Kleinstadt Harrison stehen sich die Beine in den Bauch. "Die Leute nehmen jetzt das Fahrrad, um Benzin zu sparen. Sind wir noch in Amerika?", grummelt Paul Martin (Name von der Redaktion geändert) und lehnt sich gelangweilt an seine goldene Limousine. An ihm vorbei sind gerade zwei Wall-Street-Banker im dunklen Anzug gegangen und haben sich mit ihrem Drahtesel auf den Heimweg gemacht.

Seit die Spritpreise an den Zapfsäulen die Rekordmarke von drei Dollar für die Gallone (3,8 Liter) überschritten haben, steigen in den USA selbst eingefleischte Autofahrer von vier auf zwei Räder um. Zumal die Taxifahrer in Harrison für Kurzstrecken einen Benzinaufschlag von einem Dollar auf den Fahrpreis draufschlagen. Nach jüngsten Meinungsumfragen fahren fast zwei Drittel der US-Bürger weniger mit dem Auto, um Benzin zu sparen. Für Pendler, die nicht ausweichen können, hat sich die Benzinrechnung innerhalb weniger Monate verdoppelt. Besonders bitter ist das für Familien mit einem geringen Jahreseinkommen von bis zu 40 000 Dollar. Bei ihnen können die Benzinkosten rund zehn Prozent der Haushaltskasse auffressen.

Angesichts dieser Belastungen ist es für viele Amerikaner unverständlich, warum die hohen Energiekosten von den offiziellen Preiswächtern ausgeklammert werden. Zwar meldete das US-Arbeitsministerium gestern für April einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Ökonomen an der Wall Street und die amerikanische Notenbank achten jedoch mehr auf die so genannte Kerninflationsrate, in der die Preise für Lebensmittel und Energie außen vor bleiben. Diese Kosten schwanken stark und den Preistrend verzerren. Die Kerninflation betrug im April 2,3 Prozent.

Zwar liegt auch dieser Wert jetzt deutlich über dem, was die Notenbank Federal Reserve (Fed) inoffiziell als Inflation noch toleriert. Die Fed hat deshalb nach ihrer letzten Sitzung vor einem erhöhten Inflationsdruck gewarnt und weitere Zinserhöhungen nicht ausgeschlossen. Dennoch hätten die Ölpreise bislang nur einen "moderaten" Effekt auf die Kerninflation gehabt und die Inflationserwartungen seien unter Kontrolle, schreibt Fed-Chef Ben Bernanke.

Seite 1:

„Ich sehe nur, dass die Preise steigen“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%