Verbraucher verlieren Vertrauen in Bio-Lebensmittel
Neuer Lebensmittelskandal möglich

Mittlerweile gibt es auch Medienwirbel um den Stoff Acrylamid, der in Lebensmitteln vermutlich durch hohe Temperaturen beim Backen, Braten und Frittieren entsteht. Acrylamid gilt als Krebs erregend und erbgutschädigend.

wiwo/ap FRANKFURT. Der Skandal um das Unkrautgift Nitrofen in Futter- und Lebensmitteln hat das Vertrauen der Verbraucher in die Bio-Ware erschüttert.

Bundesverbraucherministerin Renate Künast erklärte, es sei alles getan worden, um die Menschen vor kontaminierten Lebensmitteln zu schützen. Vorsorglich seien mehr Lebensmittel aus dem Handel genommen worden, als notwendig gewesen wäre, sagte sie am Mittwoch im ARD-Morgenmagazin.

Das Magazin "Stern" berichtete vorab, Nitrofen sei eng mit dem als "Seveso-Gift" bekannten Dioxin verwandt. Bei der Produktion von Nitrofen entstehe auch Dioxin. Untersuchungen Berliner Chemiker hätten ergeben, dass das früher in der DDR produzierte nitrofen-haltige Pflanzenschutzmittel Trizilin auch Dioxin enthalte (das auch als TCDD bezeichnet wird).

Das Blatt zitierte einen Toxikologen mit der Erklärung, TCDD könne zu Missbildungen bei Neugeborenen führen. Es könne Krebs und Hirnschäden auslösen und wirke auch als Nervengift. Der Nachweis von Dioxin unterbleibe oft, weil die Untersuchung teuer und langwierig sei. Es koste rund 2 500 Euro und dauere zwei bis drei Wochen, eine Probe auf Dioxin zu testen.

Acrylamid in hocherhitzten Lebensmitteln

Mittlerweile gibt es auch Medienwirbel um den Stoff Acrylamid, der in Lebensmitteln vermutlich durch hohe Temperaturen beim Backen, Braten und Frittieren entsteht. Acrylamid gilt als Krebs erregend und erbgutschädigend. Wie das ARD-Magazin "Plusminus" berichtete, haben von ihm veranlasste Untersuchungen von Pommes frites, Kartoffelchips sowie Brot und Backwaren ergeben, dass die zulässigen Höchstwerte für den Acrylamid-Gehalt zum Teil um das Hundertfache überschritten worden seien.

Acrylamid ist auch Bestandteil von Kunststoffen und kann beispielsweise in Verpackungsmaterial für Lebensmittel enthalten sein. Auf das Entstehen von Acrylamid beim Backen, Braten und Frittieren hatte vor kurzem die schwedische Behörde für Lebensmittelsicherheit hingewiesen, nachdem schwedische Wissenschaftler mit Hilfe einer neuen Analysemethode zum Teil hohe Acrylamidkonzentrationen in Lebensmitteln entdeckt hatten. Ministerin Künast warnte vor Hysterie. Sie sagte im ARD-Morgenmagazin, das Problem hocherhitzter Lebensmittel sei seit Jahrzehnten bekannt. Die Verbraucher seien immer wieder aufgefordert worden, solche Lebensmittel nicht im Übermaß zu verzehren.

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