Verbraucher wieder zuversichtlicher
Greenspan sieht US-Wirtschaft vor Erholung

US-Notenbankchef Alan Greenspan erwartet nach dem Ende der Kampfhandlungen im Irak nun eine Erholung der amerikanischen Wirtschaft im zweiten Halbjahr.

Reuters WASHINGTON. Diese wird seiner Einschätzung nach voraussichtlich auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessern. Greenspan warnte am Mittwoch allerdings zugleich vor Gefahren für die erhoffte konjunkturelle Belebung. Als ein Haupthindernis nannte er die Investitionszurückhaltung der Unternehmen. In seiner Anhörung vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses äußerte sich der Fed-Chef zudem zurückhaltend zu dem milliardenschweren Steuersenkungsprogramm von US-Präsident George W. Bush.

Volkswirte bezeichneten Greenspans Konjunkturausblick als vorsichtig optimistisch. Die Äußerungen ließen keine baldige Leitzinssenkung der US-Notenbank (Fed) erwarten. An der Wall Street drängten schwache Konjunkturdaten die Äußerungen Greenspans in den Hintergrund.

Die Bedingungen für ein schnelleres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte 2003 seien offenbar vorhanden, sagte der Fed-Chef. So seien etwa die Verbraucher inzwischen zuversichtlicher. Außerdem erwarteten die Unternehmen genügend Aufträge, um Überhänge produzieren zu können. "Ich glaube weiterhin, dass die Wirtschaft deutlich stärker wachsen kann als im vergangenen Jahr, auch wenn der Zeitpunkt und das Ausmaß unsicher bleiben", sagte Greenspan.

Keine baldige Zinssenkung erwartet

Das US-Verbrauchervertrauen hat sich verschiedenen Umfragen zufolge zuletzt aufgehellt. Greenspan wies aber darauf hin, dass sich das Geschäftsklima nicht spürbar verbessert habe. Dies zeigten auch die hohen Zahlen bei den Anträgen auf Arbeitslosenunterstützung. Das erwartete Anziehen der Konjunktur werde aber zu einem Stellenzuwachs führen, prognostizierte der Notenbank-Präsident. An den Finanzmärkten wird bereits mit Spannung der US-Arbeitsmarktbericht für April erwartet, der am Freitag veröffentlicht werden soll.

Der Fed-Chef sagte ferner, er werde die niedrigen Teuerungsraten genau beobachten. Sollte die Inflation zu weit zurückgehen, werde dies die Gewinne der Unternehmen belasten und deren Investitionsbereitschaft schaden. Analysten werteten Greenspans Kommentare als Bestätigung der Markterwartung, dass die Fed bei ihrem nächsten Zinstreffen am kommenden Dienstag die Leitzinsen mit 1,25 % auf dem niedrigsten Niveau seit 40 Jahren lassen wird. Gleichzeitig lasse sich die Notenbank aber die Tür für eine Zinssenkung offen, sollte die konjunkturelle Entwicklung schwach bleiben. Greenspan habe allerdings die grundsätzliche Erwartung geäußert, dass die weltgrößte Volkswirtschaft das Schlimmste hinter sich habe, sagte Jeoff Hall, Volkswirt bei Thomson IFR.

Bei seinem Auftritt vor den Abgeordneten vermied Greenspan eine deutliche Stellungnahme zu den von US-Präsident Bush geplanten Steuersenkungen mit einem ursprünglich vorgesehenen Volumen von 726 Mrd. Dollar. "Ich finde im Programm des Präsidenten viel Unterstützenswertes, vorausgesetzt es gehen damit Ausgabensenkungen einher", sagte der Fed-Chef. Er warnte aber zugleich erneut vor wachsenden Haushaltsdefiziten, die letztlich zu steigenden Zinsen führen und die Effekte von Konjunkturprogrammen abschwächen könnten.

Bei einer früheren Anhörung hatte sich der Fed-Chef kritisch zur Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms geäußert und damit für Ärger bei den regierenden Republikanern gesorgt. Die Pläne des Präsidenten sind allerdings auch in seiner eigenen Partei umstritten. Trotz der Meinungsverschiedenheiten hatte Bush vergangene Woche signalisiert, dass er den 77-Jährigen Fed-Chef für eine weitere Amtszeit - es wäre Greenspans fünfte - vorschlagen werde. Daraufhin hatte sich auch Greenspan selbst dazu bereit erklärt.

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