Verbraucherpreise gehen stark zurück
In den USA mehren sich Deflationsanzeichen

In den USA mehren sich die Anzeichen für eine Deflation und damit drohen neue Gefahren für die erhoffte Konjunkturerholung.

rtr WASHINGTON. Nach den US-Erzeugerpreisen gingen den Angaben des Arbeitsministeriums von Freitag zufolge auch die Verbraucherpreise im April überraschend stark zurück. Selbst in der Kernrate - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - ergab sich erstmals seit 1982 den zweiten Monat in Folge kein Anstieg. Die schwachen Preisdaten führten zu Kursverlusten bei den US-Aktienfutures und beim Dollar. Die Kurse der Staatsanleihen legten dagegen zu.

Die Verbraucherpreise seien zum Vormonat um 0,3 % gesunken nach einem Anstieg in dieser Größenordnung im März, teilte das Arbeitsministerium mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Rückgang von lediglich 0,1 % gerechnet. In der Kernrate stagnierten die Preise, während Analysten ein geringfügiges Plus erwartet hatten. In den zwölf Monaten bis Ende April ergab sich damit in der Kernrate ein Preisanstieg um 1,5 %. Dies war die niedrigste Zwölfmonatsrate seit März 1966.

Nach Ministeriumsangaben vom Vortag waren auch die Erzeugerpreise im April um 1,9 % im Vergleich zum Vormonat gesunken. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der Statistik im Jahr 1947.

Die jüngsten Preisdaten nährten an den Finanzmärkten die Befürchtungen, dass der weltgrößten Volkswirtschaft eine Deflation drohen könnte. Bereits vergangene Woche hatte sich die US-Notenbank (Fed) besorgt gezeigt über einen anhaltenden Rückgang der Inflation. "Ob die Daten schwach genug sind, um die Fed zu einer Leitzinssenkung zu bewegen, ist aber noch mit einem Fragezeichen zu versehen", sagte Lara Rhame von Brown Brothers Harriman in New York. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bei 1,25 %.

In den vergangenen Jahren hatte das Thema Deflation in den USA und Europa praktisch keine Rolle gespielt. Japan dagegen leidet seit Jahren unter der konjunkturschädlichen Abwärtsspirale von sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaftsleistung. Der Preisverfall schlägt sich nicht nur unmittelbar in fallenden Einnahmen der Unternehmen nieder, sondern führt indirekt auch zu einer sinkenden Nachfrage. Verbraucher verschieben ihre Einkäufe und Firmen ihre Investitionen in der Hoffnung auf einen weiteren Preisrückgang.

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