Verbraucherschützer halten Regeln der EU-Vermittler-Richtlinie für unzureichend
Vermittler-Regeln gegen schwarze Schafe

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen keine Mindestanforderungen für den Vertrieb von Versicherungsprodukten vorgeschrieben sind. Das wird sich bald ändern, denn binnen zwei Jahren muss die EU-Vermittler-Richtlinie in nationales Recht umgesetzt werden.

DÜSSELDORF. In Deutschland ist bekanntlich alles reguliert - selbst in welcher Höhe die Garderobenhaken in Kindergärten hängen müssen. Der Vertrieb von Versicherungsprodukten dagegen ist erstaunlich unreguliert - praktisch jede(r) kann von heute auf morgen damit beginnen, Policen zu verkaufen.

Um ein Mindestmaß an Verbraucherschutz zu sichern und um Vermittlern den europäischen Markt zu öffnen, hat jüngst die Europäische Union die lang diskutierte Vermittler-Richtlinie verabschiedet. Die deutschen Versicherer warten nun gebannt auf die nationale Umsetzung, denn hierbei hat der deutsche Gesetzgeber Freiräume. Die Richtlinie schreibt nur bestimmte Mindestanforderung an Vermittler von Versicherungsprodukten fest. "Dank der Richtlinie können wir zum Beispiel die Schein-Makler bekämpfen", sagt Ulrich Schönleiter, zuständiger Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium. Verbraucherschützer dagegen zeigen sich skeptisch.

Die Kernpunkte der Richtlinie:
Personen oder Unternehmen, die Policen verkaufen, müssen in einem zentralen Register eingetragen sein.
Vermittler müssen über "angemessene Kenntnisse und Fähigkeiten" verfügen und einen guten Leumund haben.
Haftet nicht das Versicherungsunternehmen für eine Falschberatung des Vermittlers, muss dieser über eine Haftpflichtpolice mit mindestens einer Mill. Euro Deckungssumme pro Schaden verfügen.

In Deutschland gibt es rund 410 000 Personen, die Versicherungen verkaufen. 400 000 arbeiten als so genannte Ausschließlichkeitsvertreter nur für einen Versicherer, davon 325 000 nebenberuflich. Die übrigen 10 000 agieren als Makler beziehungsweise Mehrfachagenten.

Nach der Richtlinie kann der nationale Gesetzgeber die Ein-Firmen- Vertreter von der Registrierungspflicht ausnehmen. Aber davon will das Wirtschaftsministerium keinen Gebrauch machen; alle - auch Nebenberufler - sollen in einem zentralen Informtionsregister erfasst werden.

Dort soll den Plänen zufolge auch stehen, ob ein Vermittler Makler, Ein-Firmen-Vertreter oder Mehrfachagent ist. Diese Unterscheidung ist wichtig für die Frage der Haftung bei Falschberatung; bei Ein-Firmenvertreter haftet der Versicherer, Makler und Mehrfachagenten haften dagegen selbst. Daher ist für sie künftig der Abschluss der Haftpflichtpolice Pflicht. Das Problem: Makler kann sich quasi jeder nennen, diese Bezeichnung ist kein geschütztes Berufsbild, was dem Maklerverband VDVM schon lange ein Dorn im Auge ist. Um im Ansatz eine Falschberatung zu verhindern, fordert der Verband daher strenge Zugangsbeschränkungen zum Makler-Beruf.

Doch Schönleiter glaubt, dass dank der Richtlinie dieses Problem gelöst werden kann. "Die Richtlinie sieht umfangreiche Informationspflichten gegenüber dem Kunden vor. Wer sich Makler nennt, ist verpflichtet, seinen Rat auf eine Untersuchung von hinreichend vielen Marktangeboten zu stützen." Wer dies nicht tue, riskiere wegen Falschberatung verklagt zu werden. "Dieses hohe finanzielle Risiko werden die Schein-Makler gewiss scheuen", sagt Schönleiter.

"So einfach wird sich dieses Problem nicht lösen", sagt dagegen Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, "denn der Kunde hat zu beweisen, dass der Vermittler ihm gegenüber sich als Makler aufgespielt hat." Auch das Beratungsprotokoll hilft seiner Ansicht nach nicht, weil ein psychologisch geschulter Vermittler es bewerkstelligen kann, dass seine Kunden fast alles unterschreiben.

Debatten wird es auch noch über die vorgeschriebene Mindestqualifikation geben. Das Ministerium will hier den Abschluss des Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft (BWV) zum "Versicherungsfachmann/frau" akzeptieren.

Verbraucherschützer Scholl hält diese Qualifikation aber für unzureichend: "Hier kommen fachliche Belange gegenüber der Verkaufsförderung zu kurz." "Die Beratung ist nur auf Arbeitnehmer konzentriert und wichtige Dinge wie Steuerfragen werden nicht umfassend behandelt", meint auch Thomas Hörnlein, Leiter der Delta Lloyd Akademie. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) ist aber zufrieden; denn die überwiegende Zahl der Ein-Firmen-Vertreter hat diesen Schein bereits.

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