Verbraucherschützer warnen vor vorschnellen Unterschriften
Noch vor der Euro-Umstellung "tricksen" Unternehmen

Der Euro kommt - und noch vor ihm kommen zahllose unbeabsichtigte oder auch zielstrebige Tricksereien mit der neuen europäischen Währung zu Lasten der Verbraucher.

ddp-vwd BERLIN. Nahezu jeder Erwachsene hat eine Reihe von Verträgen unter anderem zu Versicherung, Miete, Bausparen, Darlehen oder Leasing, in denen bestimmte Geldbeträge festgeschrieben sind. Bei all diesen Vereinbarungen könnte es in den folgenden Wochen zu Versuchen von Versicherungen, Banken und anderen Unternehmen kommen, sie bei der Umstellung auf den Euro zum eigenen Vorteil zu verändern, warnt die Verbraucherzentrale Bayern.

Die Verbraucher-Zentrale Hamburg rät allen, die in diesen Wochen von ihrem Versicherungsunternehmen Beitragsrechnungen oder andere Mitteilungen mit der Aufforderung zu einer Unterschrift wegen der Euro-Umstellung erhalten, gerade dies grundsätzlich erst einmal nicht zu tun. Die korrekte Euro-Umstellung erfolge nämlich automatisch ohne Unterschrift des Kunden. Soll jedoch irgendein "Einverständnis" erklärt werden, sei damit in der Regel eine Änderung des Vertrages verbunden. Das aber sei nicht immer im Sinne oder gar zum Vorteil des Versicherungsnehmers, warnen die Experten.

Die Verbraucher-Zentrale berichtet als Beleg für ihre Warnung über einen Fall, in dem einer der deutschen Branchenführer einen Kunden zu solch einer Unterschrift aufforderte. Der Verbraucher hat seit Jahren eine Hausratversicherung mit einer Versicherungssumme von 70 000 DM. Dafür zahlt er vierteljährlich etwa 70 DM. Mit der Beitragsrechnung ab September 2001 erhielt er ein Umstellungsangebot mit scheinbar verbesserter Leistung. Ganz nebenbei enthielt das Schreiben eine "neue" Versicherungssumme von 73 450 Euro - was rund 143 656 DM entspricht - und einem Vierteljahresbeitrag von 81,90 Euro (160,18 DM). Dieser ist damit immerhin mehr als doppelt so hoch wie bisher.

Die Verbraucherzentrale Bayern verweist darauf, dass die Einführung des Euro keiner Vertragspartei das Recht gibt, einen Vertrag einseitig zu ändern oder zu beenden. Alle Verträge würden auch nach der Abschaffung der D-Mark unverändert weiter gelten. Das betreffe Versicherungsverträge ebenso wie alle anderen Vereinbarungen. Bei der Euro-Bargeldeinführung herrsche das Prinzip der Vertragskontinuität. Das bedeute, dass die Verträge über den 1. Januar 2002 hinaus auch dann ihre Gültigkeit behalten, wenn sie auf D-Mark-Beträge Bezug nehmen.

Ab Januar werden D-Mark-Verbindlichkeiten ohne weiteres Zutun kraft Gesetz zu Euro-Verbindlichkeiten entsprechend dem offiziellen Umrechnungskurs, wie die Experten betonen. Wer überprüfen will, ob sein Versicherer oder sein Kreditinstitut bei der Umstellung der Verträge richtig gerechnet hat, kann dies leicht kontrollieren. Er braucht dabei den Euro-Betrag lediglich mit 1,95583 zu multiplizieren, um den ehemaligen D-Mark-Betrag zu erhalten.

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