Verbrauchervertrauen geht unerwartet zurück
US-Wirtschaft sprintet auf Wachstumskurs

Die Konjunktur ist überraschend deutlich auf Wachstumskurs umgeschwenkt. Warnsignale bleiben: Die Konsumenten werden zurückhaltender und vom Lagerabbau gehen bald kaum noch Impuls aus.

WASHINGTON. Die Entwicklung der US-Konjunktur und die Geschichte des Fußballvereins 1. FC Kaiserslautern haben einiges gemeinsam: 1996 stieg das Team ab, aber schon in der darauf folgenden Saison holt es den Meisterschaftstitel und kämpft nun um den UEFA-Cup. Auch die US-Wirtschaft hat sich von ihrem Abstieg im vergangenen Jahr schnell erholt und ist auf den Wachstumspfad zurück gekehrt: Im ersten Quartal dieses Jahres ist die Wirtschaft um 5,8 % in annualisierter Jahresrate gewachsen und damit stärker als von Ökonomen erwartet. Die Zahl ist das Ergebnis der ersten Schätzung des US-Handelsministeriums. Im Schlussquartal war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,7 % gewachsen.

Ende der Rezession scheint besiegelt

Damit scheint das Ende der Rezession besiegelt. Vom Capitol in Washington und von der Wall Street kommen jedoch warnende Worte: Die Zahlen würden nicht der Realität wiedergeben. Es könnte nochmal mal bergab gehen. Auch Volkswirte halten eine Abwärtsrevision der Zahlen aus der Erstschätzung für möglich.

Seit Beginn des Jahres hat bisher aber eine gute Botschaft die nächste gejagt: Gutes Exportgeschäft, wachsendes Vertrauen der Verbraucher, höhere Militärausgaben, Konsumenten geben ihre Steuerrückzahlungen aus - so lauteten die Schlagzeilen. Und so soll es weitergehen: "Wir müssen unsere Arbeit fortsetzen", sagte US-Präsident George W. Bush an den Kongress gewandt. Bush sucht dort Zustimmung für seinen Plan dauerhafter Steuersenkungen. "Aus der kurzfristigen Erholung muss eine dauerhafte werden." Gleichzeitig forderte Bush vom Kongress erneut ein weitreichendes Handelsmandat. Damit könne er "die besten Geschäfte für amerikanischen Produzenten und Arbeiter" aushandeln.

Amerikanische Ökonomen haben allerdings schon jetzt warnend den Zeigefinger gehoben und das überwältigende Plus beim Wachstum zurecht gerückt: "Das Wachstum ist sehr hoch", sagt Catherine Mann. "Es stellt sich aber die Frage: Ist die Entwicklung von Dauer? - Ich glaube nicht", erklärt die Volkswirtin vom renommierten International Institute for Economics (IIE) in Washington. Auch an den Finanzmärkten zeigte man sich wenig beeindruckt von den guten Nachrichten. Der Dow Jones fiel erstmals seit Februar wieder unter 10 000 Punkte und auch der Dollar büßte an Wert ein.

Viele Warnsignale

Nach Ansicht von Catherine Mann gibt es noch zu viele Warnsignale: Da ist die gegenüber den "guten Zeiten" hohe Arbeitslosigkeit von 5,7 %. Im Sommer soll sie sogar über die 6 %-Marke steigen - bevor es danach aber wieder abwärts geht. Ein Hauptargument der Kritiker ist zudem die Entwicklung der Lagerhaltung. Zwar steuerte der Abbau der Lager im ersten Quartal mit 3,1 % den größten Teil zum Wirtschaftswachstum bei. Allerdings hat das Tempo des Abbaus nachgelassen. Die Bestände verringerten sich nur noch um 36,2 Mrd. $. In den vergangenen drei Monaten hatten die Unternehmen aber drei Mal so stark abgebaut. "Die Unternehmen werden erkennen, dass die positiven Zahlen auf den geringeren Lagerabbau zurückzuführen sind.

Deshalb werden sie noch keine neuen Investitionen tätigen", erwartet IIE-Volkswirtin Mann. Von einer dauerhaften Erholung könne daher noch keine Rede sein. "Das ist eine Achterbahnfahrt und gerade geht es ganz schnell aufwärts." Bushs Wirtschaftsberater Glenn Hubbard sagte, das BIP-Wachstum werde sich nach dem 5,8-Prozentsprung im ersten Quartal wahrscheinlich auf durchschnittlich 3,5 % verlangsamen. Mit einer Erholung bei den Unternehmensinvestitionen rechne er erst in der zweiten Jahreshälfte.

Ein Warnsignal kam indes auch von den Verbrauchern, die bisher durch ihre Konsumlust die Wirtschaft stimulierten. Der private Konsum steuerte mit 2,5 Prozentpunkten zwar den zweitgrößten Wachstumsbeitrag zum BIP nach dem Lagerabbau bei. Verluste an den Aktienmärkten und die Unsicherheit über den Nahostkonflikt haben jetzt allerdings das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Entwicklung getrübt. Der Vertrauens-Index der Universität Michigan ging im April überraschend auf 93,0 von 95,7 Zählern im März zurück.

Befürchtungen, dass die Wirtschaft erneut ins Minus rutscht, hat Catherine Mann aber nicht. Es werde kein "Double-Dip" - einen erneuten Einbruch der Konjunktur nach der ersten Erholung - geben, ist sie sich mit den meisten Ökonomen einig.

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