Verbrauchervertrauen in Rindfleisch zerstört
Möglicherweise Massentötungen nach neuem BSE-Fall in Japan

Nach der Feststellung zweier BSE- Fälle erwägt das japanische Agrarministerium die Tötung von etwa 5000 Rindern, die mit dem inzwischen verbotenen Tiermehl gefüttert wurden. Das Ministerium machte die Mitteilung am Donnerstag, einen Tag nach der Entdeckung eines zweiten Falles von Rinderwahnsinn im Lande.

Reuters TOKIO. Dort ist seit Anfang Oktober die Einfuhr von Tiermehl und dessen Verwendung als Rinderfutter verboten. Es wird vermutet, dass infizierte Fleischabfälle die Ursache des möglicherweise auch für den Menschen gefährlichen Hirnschwundes sind. Beide BSE-Rinder wurden lange vor dem Verbot von Rindereinfuhren aus Europa in diesem Jahr geboren.

Nach dem ersten BSE-Fall im September auf einem Bauernhof in Chiba bei Tokio hatte es das Gesundheitsministerium bei der Tötung des Tieres und der Untersuchung des Fleisches belassen. Nun aber könnte es zum ersten Mal geschehen, dass ganze Herden zu Untersuchungszwecken und anschließenden Verbrennung getötet werden. Der Rinderbestand in Japan beträgt einschließlich der Milchkühe 4,5 Millionen Stück. Ein Sprecher des Agrarministeriums sagte, die Entscheidung sei in der nächsten Woche zu erwarten.

Am Mittwoch hatte das Gesundheitsministerium mitgeteilt, bei einem fünf Jahre alten Holsteiner-Rind auf Hokkaido sei Bovine Spongiforme Encephalopathie (BSE) festgestellt worden. Für die restlichen 77 Tiere der Herde wurde Transportverbot verhängt. Der erste Fall war am 10. September entdeckt worden. Es handelte sich nicht nur um die erste BSE-Erkrankung in Japan, sondern in Asien, und erschütterte das Vertrauen der Verbraucher. Beide Rinder wurden im Frühjahr 1996 auf Hokkaido geboren und zwar in nur 200 Kilometern Entfernung und in nur neun Tagen Abstand. Das Agrarministerium hofft, dass sich daraus Hinweise auf den Infektionsweg ergeben.

Die BSE-Angst hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt erfasst. Der Rindfleischverkauf verringerte sich um mehr als Hälfte. Die Verbraucher wandten sich Schweinefleisch, Fisch und Geflügel zu. Fachleute glauben, dass es Jahre dauern wird, bis das Verbrauchervertrauen zurückgewonnen worden ist. Als Folge der BSE-Angst haben die Aktien der fleischverarbeitenden Unternehmen und der Restaurantketten an Wert verloren. Die USA und Australien als die größten Fleischlieferanten Japans machen sich Absatzsorgen.

Wissenschaftler nehmen an, dass BSE beim Menschen eine vorher unbekannte Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst, die wie BSE unweigerlich zum Tode führt. In Europa hat sie bislang etwa 100 Menschen getötet. Der Verdacht auf einen Zusammenhang entstand 1996 in Großbritannien, das Japan im März desselben Jahres mit einem Importverbot belegte.

221514 Nov 01

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