Verbraucherzentrale beschwerte sich
Comdirect hat Ärger mit der T-Aktie

Dem Online-Broker Comdirect, Quickborn, droht möglicherweise eine Sonderprüfung durch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe). Der Grund: Die Commerzbank-Tochter hat ihren Kunden untersagt, bonusberechtigte Aktien aus dem dritten Börsengang der Deutschen Telekom AG am ersten Handelstag über das Internet zu verkaufen.

lip HAMBURG. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Schreiben von Comdirect an ihre Kunden heißt es, dass die Online-Bank aus einer geschäftspolitischen Entscheidung ihre "Kunden vor einem ungewollten Verkauf der bonusberechtigten Telekom-Aktien schützen wollte." Das BAWe hat sich inzwischen eingeschaltet. "Uns ist der Fall bekannt", so eine BAWe-Sprecherin. Ob gegen den Direktbroker eine Sonderprüfung eingeleitet wird, darf das Bundesamt auf Grund seiner Verschwiegenheitspflicht offiziell nicht bekanntgeben.

Auch die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein beschäftigt sich seit der Beschwerde eines Kunden mit der Aufklärung des Sachverhalts. "Offensichtlich sollte und wollte die Comdirect-Bank die Realisierung von Zeichnungsgewinnen verhindern", betont Hajo Köster, zuständiger Referent für Finanzdienstleistungen. Er wertet das Verhalten der Bank als einen "vorsätzlichen Verstoß gegen die Treuepflichten." Am ersten Handelstag war der Telekom-Kurs kräftig unter Druck geraten. Er sank um 3 % unter den Ausgabepreis von 66,50 ".

Comdirect bestätigte auf Anfrage, dass man den Verkauf der bevorrechtigten Telekom-Aktien per Internet am ersten Handelstag untersagt habe. Die Bank begründete dies zunächst mit technischen Problemen. In einer zweiten schriftlichen Stellungnahme wich die Commerzbank-Tochter, an der die Telekom-Tochter T-Online mit mehr als 20 % beteiligt ist, hingegen hiervon ab. Die Bank begründete die Maßnahmen jetzt damit, dass der Aktieninhaber mit der Veräußerung der Telekom-Aktien aus der Frühzeichnerphase die Bonus-Berechtigung laut Emissionsbedingungen der Deutschen Telekom verloren hätte. Die Anteile hätten deshalb nur über das Call-Center verkauft werden können, das uneingeschränkt erreichbar gewesen sei.

Aktien, die nicht dem Frühzeichnerprogramm unterlagen, konnten hingegen "jederzeit über das Internet verkauft werden, da hier mit dem Verkauf kein Verlust der Berechtigung für den Kunden entstehen konnte". Dass unterschiedliche Verkaufswege gewählt wurden, begründete Comdirect mit der Depotanzeige ihrer Kunden. Hier standen sowohl berechtigte als auch bonusunberechtigte Telekom-Aktien untereinander. Es habe deshalb die Gefahr bestanden, dass Kunden durch "Anklicken der falschen Zeile" bonusberechtigte Aktien verkauft hätten.

Die Comdirect-Bank hatte 63 000 Kaufaufträge für die T-Aktie von Anlegern während der Frühzeichnerphase erhalten. Die Telekom räumte diesen Anlegern, wenn sie zum Zug kamen, einen Rabatt von 3 " ein. Weitere 17 000 Aufträge entfielen auf nicht bonusberechtigte Telekom-Aktien. Den Kunden des Direktbrokers wurden aus dem Bonus-Programm insgesamt 59 300 Aktien zugeteilt.

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