Verbraucherzentralen untersuchen Wellness-Drinks
Schlechte Noten für Energy-Getränke

Getränke mit angepriesenem Zusatznutzen halten nicht, was sie versprechen. In einigen Fällen entpuppen sich die angeblichen Heilsbringer sogar als potentiell gesundheitsschädlich.

hsn DÜSSELDORF. Zu diesem Ergebnis kommt eine bundesweite Marktanalyse der Verbraucherzentralen von so genannten Funktionellen Getränken, die durch die Anreicherung verschiedener Wirksubstanzen ein Plus an Gesundheit, Vitalität oder Power versprechen. "Die Getränke erwecken den Eindruck, man müsste nur zugreifen, um gesund, ewig jung oder vital zu sein", so Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv). In einigen Fällen könne genau das Gegenteil eintreten.

Im Rahmen der Untersuchung der Verbraucherzentralen wurden in sechs Bundesländern 238 ACE-Getränke, Energy Drinks, Sportler-Getränke, Probiotische Milchgetränke, Frühstückdrinks, Vitamingetränke, Wellness-Getränke und Wässer mit verschiedenen Wirksubstanzen eingekauft und bewertet. Insgesamt enthalten die Getränke mehr als 100 verschiedene zugesetzte Wirksubstanzen (bis zu 13 pro Getränk): von Apfelessig und Aloe Vera über Johanniskraut, Kombucha, Vitaminen bis Zitronengras. Dabei versprechen manche Produkte wahre Wunder.

Die Palette der Werbeaussagen reicht von "Wahres Gesundheitselixier", "Quelle ewiger Jugend", "Pfad zu langem Leben" bis "Die Omega-3-Fettsäure DHA braucht ihr Körper täglich" oder "mehr Calcium und Magnesium für die Muskelfunktion". ACE-Säfte etwa werden mit Aussagen wie "Schütz Dich" oder "hochdosiert für Ihre Gesundheit" beworben. Die meisten Aussagen beziehen sich lediglich auf die potentielle Wirkung der zugesetzten Substanz, nicht aber auf die Gesamtwirkung des Getränks.

Bei Energy Drinks ignorieren fast alle Anbieter die Empfehlungen des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur Warnung vor unterwünschten Nebenwirkungen bei ausgiebiger Sportbetätigung oder in Kombination mit Alkohol. "Und bei der Nährwertkennzeichnung werden teilweise schlicht falsche Angaben gemacht, etwa durch eine falsche Zahl oder eine falsche Maßeinheit", ärgern sich die Verbraucherschützer.

Zudem wurden Bestandteile hervorgehoben, die im Produkt lediglich in Spuren oder als Aroma enthalten sind. So enthält z.B. ein Trauben- Papaya-Getränk gerade mal 0,5 % Fruchtsaft. "Die weit überzogenen Darstellungen zu gesundheitsfördernden Wirkungen der verschiedenen Zutaten entbehren zumeist jeglicher wissenschaftlicher Grundlage", so Angela Clausen, Ernährungsreferentin der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen.

Noch viel schlimmer: In Einzelfällen könnten die Produkte sogar zur Schädigung der Gesundheit führen. Problematisch sei vor allem die Anreicherung mit Beta-Carotin. Aus Studien ist bekannt, dass Beta- Carotin in isolierter Form schon bei einer täglichen Aufnahme von nur 20 mg bei starken Rauchern und Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen Gesundheitsschäden verursachen kann. "Auch sonst lassen die zugesetzten Mengen kein ernährungswissenschaftliches Konzept erkennen", so Clausen. Als Beispiel nannte sie ein Kindergetränk mit einem doppelten Gehalt Vitamin-B12 der empfohlenen Tagesdosis für Erwachsene in 100 ml. Nicht minder problematisch sei der Einsatz von Arzneipflanzen. "Entweder sie sind nur in geringen Mengen enthalten und dann weder nützlich noch schädlich oder aber höher dosiert ein schwer kalkulierbares Risiko."

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