"Verbrauchsgüterkaufrichtlinie" noch nicht in nationales Recht umgesetzt
Autofirmen bei Garantieverlängerung noch zurückhaltend

Die zum 1. Januar 2002 in der Europäischen Union vorgeschriebene Neuregelung der Garantiefristen ist bei den meisten Autoherstellern in Deutschland noch ohne Konsequenzen geblieben. Ford bietet bereits seit dem 2. Juli einen hauseigenen Garantieschutzbrief verpackten diesen Schachzug allerdings geschickt mit einer Preiserhöhung von 2,3%.

dpa-afx FRANKFURT. Zu einer Verlängerung der üblichen Ein-Jahres-Frist auf die neue zweijährige Gewährleistung haben sich bisher nur die Kölner Ford-Werke durchgerungen. Die anderen deutschen Hersteller müssen sich im letzten Quartal des Jahres auf zurückhaltende Kundschaft einrichten, denn ein paar Wochen später bekommen die Käufer vom Gesetz die doppelte Garantiezeit eingeräumt.

Ford bietet seit dem 2. Juli den hauseigenen Garantieschutzbrief auch für das zweite Jahr bis zu einer Laufleistung von 100 000 Kilometern an. Allerdings verpackten die Kölner Autobauer den Schachzug geschickt in einen Preiserhöhung von 2,3 %. "Dennoch spart der Kunde beispielsweise beim Kauf eines Ford Ka noch 77 DM" meint Pressesprecher Michael Droste. Dabei rechnet er den Betrag für die bisher gesondert verkaufte Garantieverlängerung von der allgemeinen Preisanhebung ab. Auf den Zug sprang Land Rover Deutschland auf und bietet rückwirkend zum 1. September gleich drei Jahre Garantie bis 100 000 Kilometer. "Als Premium-Anbieter müssen wir auch Premium-Service und-Garantieleistungen bieten", begründete Geschäftsführer Reinhard Künstler den Schritt.

"Verbrauchsgüterkaufrichtlinie" noch nicht in nationales Recht umgesetzt

Die deutschen Automobilhersteller stochern bei der Umsetzung der neuen EU-Regelung noch im Nebel, denn die neue "Verbrauchsgüterkaufrichtlinie" ist bisher nicht in nationales Recht umgewandelt. Die Verlängerung der Gewährleistungsfrist auf zwei Jahre für Neuwagen ist verpackt in die umfassende Modernisierung des Schuldrechts. Der Bund plant den Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens im Frühherbst, damit Planungssicherheit herrscht. Trotz der nicht geklärten Gesetzeslage tippen Branchenkenner darauf, dass die Hersteller, die nur ein Jahr Garantie bieten, spätestens zur IAA dem Beispiel von Ford und Land Rover folgen und die Gewährleistungsfrist verdoppeln.

Die fernöstlichen Automobilproduzenten aus Japan und Korea sind der europäischen Konkurrenz zumindest in diesem Punkt voraus. Sie bieten bereits jetzt drei Jahre Garantie bis zu einer Laufleistung von 100 000 Kilometern ohne Aufpreis. Von den deutschen Herstellern können nur Porsche (zwei Jahre) und Smart (drei Jahre) mithalten. Nachbessern müssten auch wichtige Importeure wie Renault, Peugeot und Fiat.

Automobilproduzenten offiziell zurückhaltend

Offiziell geben sich die deutschen Automobilproduzenten zurückhaltend. Der Pressesprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Eckehart Rotter, sieht darin "kein A-Thema". "Die Hersteller stehen derzeit mit dem VDA in Verbindung, um eine einheitliche Regelung zu finden", sagte Opel-Sprecher Rüdiger Assion. Bei Volkswagen wird noch geprüft, ob man vorzeitig die Garantie verlängert. Auch Daimler-Chrysler wartet ab. "Schließlich ist noch kein Gesetz verabschiedet", sagte Sprecherin Nicole Gall. Ebenso sieht es BMW. "Aussagen sind nicht möglich, weil der Inhalt der nationalen Gesetzgebung nicht bekannt ist", erklärte Pressesprecher Uwe Mahla. Auch bei Audi in Ingolstadt sollen keine Pläne zur kurzfristige Umsetzung der EU-Richtlinie in der Schublade liegen.

Angesichts der defensiven Haltung der Hersteller kann der Kunde jetzt entweder den Kauf des neuen Autos ins nächste Jahr verschieben oder sich vom Händler die Verlängerung der Gewährleistungsfrist in den Kaufvertrag schreiben lassen.

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