Verbriefungsinstitut war zurückhaltend bei der Kreditvergabe
Unternehmer können auf mehr Kredite hoffen

Politik und Wirtschaft versprechen sich von der Verbriefungsinitiative der Banken vor allem eines: mehr Kredite für die Unternehmen.

FRANKFURT/M. Politik und Wirtschaft versprechen sich von der Verbriefungsinitiative der Banken vor allem eines: mehr Kredite für die Unternehmen.

Die Initiative bedeute nicht nur einen wichtigen Impuls für den Finanzplatz, sondern sei auch ein "wirksames Instrument zur Förderung der Wirtschaft", begrüßte das Bundesfinanzministerium gestern die geplante Gründung des Gemeinschaftsinstituts von sechs öffentlichen und privaten Banken zur Verbriefung von Kreditforderungen.

Durch die mit der Verbriefung von Krediten verbundene Eigenkapitalentlastung für die Banken erweiterten sich "die Spielräume zur Kreditvergabe", ließ das Ministerium verkünden. Dies werde vor allem auch der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen zugute kommen.

Dass es mit der Kreditvergabe-Bereitschaft der Banken nicht zum Besten steht, zeigt die Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank. Nach den neuesten Zahlen stehen die Unternehmen und Privatleute im Februar mit Krediten von 2406,9 Mrd. bei den Banken in der Kreide. Das bedeutet ein Minus von 0,4 Prozent zum Vorjahresmonat. Zum Vormonat gab es keine Veränderung. Inflationsbereinigt fiel das Minus noch einmal um gut einen Prozentpunkt höher aus.

Für die Unternehmen und Selbstständigen (ohne Privatleute) sieht die Lage noch trüber aus. Hier reichen die Daten der Bundesbank nur bis Dezember 2002, weisen dort aber ein Minus von 1,4 Prozent vor Inflationsbereinigung aus.

Interessanterweise sind genau diejenigen privaten Institute an dem neuen Verbriefungsinstitut beteiligt, die für diese Entwicklung verantwortlich zeichnen. So fuhren die vier an der Verbriefungsinitiative beteiligten Großbanken - Deutsche Bank, Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank - ihre Kreditvergabe an die Unternehmen im Dezember 2002 gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,3 % zurück, die Genossenschaftlichen Zentralbanken, von denen die DZ-Bank an der Initiative teilnimmt, um 9,5 %. Die Sparkassen als wichtigste Kreditgeber der Wirtschaft und alle anderen Institutsgruppen haben dagegen ihre Kreditvergabe ausgeweitet oder zumindest stabil gehalten.

Die stark unterschiedliche Entwicklung bei den Institutsgruppen ist ein Hinweis darauf, dass nicht nur eine mangelnde Kreditnachfrage auf Grund der schwachen Wirtschaftsentwicklung, sondern auch Angebotszurückhaltung für die Entwicklung verantwortlich ist. "Verschiedentlich scheint auch die größere Zurückhaltung der Banken im Neugeschäft zu der schwachen Kreditentwicklung beigetragen zu haben", hatte die Deutsche Bundesbank im Februar geurteilt.

Soweit dies tatsächlich der Fall ist, könnten Mittelzuflüsse und größere bilanzielle Spielräume gerade bei den privaten Großbanken die Situation für die Wirtschaft entschärfen helfen. Eine Garantie, dass die Banken die neuen Spielräume auch für mehr Kredite an den Mittelstand nutzen, gibt es indes nicht. Doch hat Commerzbank-Vorstand Nicholaus Teller gestern bei der Vorstellung der Initiative eine entsprechende Absichtserklärung abgegeben.

In einer Umfrage im Auftrag des Handelsblatts bei 850 Unternehmensführern hatte im März ein gutes Viertel der Unternehmer über große Probleme geklagt, überhaupt noch Kredit zu bekommen, weitere 21 Prozent über "gewisse Probleme". Dabei zeigte sich auch, dass die Probleme, Kredite zu bekommen, mit sinkender Unternehmensgröße zunehmen.

Im März gab es allerdings laut Zinsstatistik der Bundesbank erste Anzeichen einer gewissen Lockerung der Finanzierungskonditionen. So senkten die Banken je nach Kreditgröße die Zinsen für Kontokorrentkredite für Unternehmen um sieben bis 14 Hundertstel Prozentpunkte - deutlich stärker als in den fünf Monaten zuvor. Von den Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank um einen halben Prozentpunkt im Dezember und einen weiteren Viertel Punkt im März ist damit allerdings weiterhin nur ein sehr geringer Teil bei den kurzfristigen Sollzinsen der Unternehmen angekommen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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