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Verbriefungsmarkt steht vor Innovationsschub

Kapitalmarkt statt Kreditrisiken - nach dieser Devise wollen Banken ihre Margen im Mittelstandsgeschäft erhöhen. Zunehmend rücken auch kleinere Firmen in ihren Fokus. Denn der Appetit von Investoren auf Mittelstandsrisiken steigt und Banken können durch den Verkauf dieser Risiken auch an kleineren Kreditvolumen gut verdienen.

FRANKFURT/M. Verbriefungsexperten tüfteln an Lösungen, die auch kleinen und mittleren Firmen den indirekten Zugang zum Kapitalmarkt ermöglichen - und so vielen Unternehmen die Finanzierung erleichtern werden. Verbriefungen von Kreditportfolien sind zwar keine Innovation. Sie werden seit den achtziger Jahren durchgeführt.

Neu sind sogenannte Multi-Seller-Strukturen, bei denen die Portfolien mehrerer Banken gebündelt werden. Solche Transaktionen gibt es bereits in Spanien - in Deutschland aber noch nicht. Sie bringen vor allem eine Erleichterung für Sparkassen und Genossenschaftsbanken, deren Portfolien zu klein und zu gering diversifiziert sind für eigene Verbriefungstransaktionen.

Eine Bank, die daran arbeitet, ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). "Eine Multi-Seller-Transaktion für Förderkredite ist einer der Schwerpunkte in diesem Jahr", sagte Claudia Schneider, Projektmanagerin für Verbriefungen der KfW. Wann die Transaktion kapitalmarktreif sein wird, lasse sich heute aber noch nicht sagen. Knifflig sei es zum Beispiel, die unterschiedlichen internen Kreditratingsysteme der Banken auf einen Nenner zu bringen. Außerdem müssen die Kredite in den Portfolien gut dokumentiert sein. "Das sind hohe Anforderungen, die nicht alle Banken ohne weiteres erfüllen können."

Neben der KfW arbeitet die genossenschaftliche DG Bank an einer Verbriefungstransaktion für die Volks- und Raiffeisenbanken, sagt der Leiter des Rentenresearch, Klaus Holschuh. Während die Emission einer Unternehmensanleihe rund 50 Tage Vorbereitung erfordere, müsse man für eine Asset-Backed-Transaktion allerdings mindestens ein Jahr einplanen.

Die Unternehmen merken von der Transaktion zwar nichts, da sie sich ausschließlich zwischen Banken und Kapitalmarkt abspielt. "Die Bank-Kunde-Beziehung bleibt also intakt", sagt Schneider. Doch die geschäftspolitischen Auswirkungen werden die Unternehmer durchaus zu spüren bekommen. Sie interessieren vor allem zwei Fragen: Vergeben die Banken mit dem nach Verkauf der Kreditrisiken frei werdenden Eigenkapital noch neue Kredite? Und wieviel werden die dann kosten?

"Ja, die Banken werden weiter Kredite und auch Förderkredite an kleine und mittlere Kredite vergeben. Denn die Kreditkosten werden sich an der Bonität orientieren und damit eine risikoangepasste Marge bieten", sagt Petra Schwab, verantwortlich für das europäische Verbriefungsgeschäft der Hypo-Vereinsbank. "Durch die Verbriefungen gewinnen wir ein Gefühl dafür, wie der Kapitalmarkt die Mittelstandsrisiken preist. Das wird sich künftig schon bei der Kreditvergabe auswirken."

Risiko hat seinen Preis: Firmen mit schwacher Bonität müssen mit steigenden Finanzierungkosten rechnen, solche mit guter Bonität können ihre Kosten drücken. Die voraussichtlich 2005 in Kraft tretenden neuen Baseler Eigenkapitalrichtlinien (Basel II) werden diesen Trend verstärken. Zudem wird die Neuregelung dazu führen, dass alle Banken ihre Rating-Systeme verbessern. Verbriefungen werden dann schneller und mit weniger Aufwand als heute durchzuführen sein. Holschuh erwartet daher, "dass wir in zwei bis drei Jahren einige Transaktionen sehen werden".

Die Nachfrage der Investoren nach Mittelstandsrisiken sei groß, beobachtet Birgit Specht, die bei Dresdner Kleinwort Wasserstein das Asset-Backed-Securities Research leitet. Das zeige sich etwa darin, dass der Kapitalmarkt für Verbriefungen von Krediten an kleine und mittlere Firmen derzeit niedrigere Renditeaufschläge fordere als für Großkredit-Verbriefungen. In der Rating-Klasse "BBB" betrage der Unterschied etwa 0,1 %. Für die "BBB"-Tranche einer Kreditverbriefung, die die Dresdner Bank mit der KfW im Mai gepreist hat, betrug der Renditeaufschlag 1,3 % über dem variablen Interbankenzins Euribor.

Tim Short von Credit Suisse First Boston (CSFB) rechnet für 2001 in Europa mit einem leichten Wachstum des Marktvolumens für Verbriefungen insgesamt (Asset Backed Securities). 2000 und 1999 wurden rund 80 Mrd. US-Dollar erreicht. Das ist noch wenig im Vergleich zu den USA, wo das Volumen in den vergangenen Jahren zwischen 250 und 300 Mrd. US-Dollar lag.

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