Verbündete warnen Bush vor Folgen voreiliger Schritte
Vergeltungsschläge könnten neue Gefahren nach sich ziehen

Einen Tag nach den Anschlägen in New York und Washington haben Verbündete die USA aufgerufen, die Folgen eines erwarteten Vergeltungsschlags zu bedenken. Handlungen sollten mit der Nato abgestimmt werden.

Reuters BERLIN. Der französische Verteidigungsminister Alain Richard sagte am Mittwoch im Inter Radio, ein solcher Schlag müsse mit Umsicht erfolgen: "Jeder, der ein solches Amt auszufüllen hat, muss daran denken, was nach einem solchen Schlag kommt." Bundesinnenminister Otto Schily warnte, eine Reaktion der USA könne neue Gefahren erzeugen. Die USA sollten in Abstimmung mit der NATO handeln. Mitarbeiter westlicher Hilfsorganisationen verließen Afghanistan, weil der dort vermutete mutmaßliche Terroristenführer Osama Bin Laden als Ziel von US-Schlägen gilt.

US-Präsident George W. Bush hatte nach den Terroranschlägen Vergeltung angekündigt. In der Vergangenheit hatten die USA auf Terroranschläge mit Vergeltungsaktionen reagiert, unter anderem mit Luftschlägen gegen Ziele, die mit Bin Laden in Verbindung gebracht wurden.

Schily sagte mit Blick auf mögliche Reaktionen der USA auf die Terroranschläge: "Daraus können sich neue Gefahrensituationen ergeben." Derzeit sei allerdings noch unklar, wie Reaktionen der USA aussehen könnten. Er hoffe, dass alles in Abstimmung innerhalb der NATO geschehen werde. Richard sagte, Vergeltung sei nur sinnvoll, wenn sie als Abschreckung wirke. Weiter sagte er, es sei weiter unklar, wer hinter den Anschlägen stecke. Auch die britische Regierung wollte dazu keine Aussagen machen. Dagegen bekräftigte der US-Senator Orrin Hatch die Vermutung, dass Bin Laden hinter den Anschlägen stecke. Unter Hinweis auf führende Geheimdienstmitarbeiter sagte er: "Wir wissen, dass Menschen an Bord eines der Flugzeuge vermutlich mit Bin Laden in Verbindung stehen."

Bin Laden weist Vorwürfe zurück

Bin Laden wies einer Tageszeitung in Pakistan zufolge Vermutungen zurück, er sei der Drahtzieher der Anschläge.Die Zeitung "Chabrain" berichtete, Bin Laden habe mitgeteilt, er habe nichts mit den Anschlägen zu tun. "Die terroristische Tat ist die Tat irgendeiner amerikanischen Gruppe", habe Bin Laden nach Angaben von Kreisen gesagt, die ihm nahe stünden, hieß es in der Mittwochausgabe. Bin Laden wird in Afghanistan unter dem Schutz der dortigen radikal-islamischen Taliban-Regierung vermutet. Das Nachbarland Pakistan ist eines der wenigen Staaten, die die Taliban-Regierung anerkannt hat.

Die Vereinten Nationen (UNO) erwägen nach eigenen Angaben wegen der Attentate in den USA den Abzug ihres Personals aus Afghanistan. "Es wird in Erwägung gezogen", sagte eine UNO-Sprecherin in Islamabad der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage, ob ein Abzug geplant sei. Aus den Hilfsorganisationen in Islamabad und Kabul verlautete, nach den Anschlägen in den USA würden einige Entwicklungshelfer mit einem UNO-Flug gegen Mittag Afghanistan verlassen.

Bewohner Kabuls waren in der Nacht zum Mittwoch durch Explosionen aufgeschreckt worden. Die afghanische Opposition hatte die Hauptstadt aus der Luft angegriffen, wie ein Kommandeur der Allianz gegen die Taliban-Regierung sagte. Die USA hatten zuvor Vermutungen zurückgewiesen, es handle sich um einen Vergeltungsanschlag ihres Militärs für die Anschläge.

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