Verdacht auf Bilanzfälschung
Staatsanwaltschaft durchsucht MLP-Büros

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat auf eine anonyme Anzeige hin am Dienstag den Finanzdienstleister MLP durchsucht. Die Staatsanwaltschaft habe Einsicht in die Akten zum Rückversicherungsgeschäft genommen, teilte MLP am Dienstag mit.

Reuters HEIDELBERG. Zugleich erklärte das Unternehmen, die Wirtschaftsprüfung Ernst & Young habe in einem vom MLP-Vorstand und-Aufsichtsrat bestellten Gutachten eine korrekte Bilanzierung des Rückversicherungsgeschäftes bestätigt. "Vor dem Hintergrund des Gutachtens sieht MLP den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft sehr gelassen entgegen und unterstützt diese aktiv", hieß es in einer Erklärung. Die Staatsanwaltschaft war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

MLP-Aktien weiteten ihre Verluste zeitweise auf knapp 20 Prozent bei rund 21 Euro aus. Vor allem wegen der Spekulationen über Ungereimtheiten bei der Bilanzierung ist der Wert der Aktie in diesem Jahr bereits etwa um drei Viertel eingebrochen.

Vorwürfe des Anlegermagazins "Börse Online", MLP habe im Rückversicherungsgeschäft mit Lebensversicherungen zu hohe Gewinne ausgewiesen und drohende Verluste verschleiert, hatten im Mai einen Einbruch der MLP-Aktien ausgelöst. MLP hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Auch Analysten hatten bezweifelt, dass MLP tatsächlich die Bilanzen geschönt habe, hatten aber kritisiert, das Unternehmen habe trotz mehrerer Erklärungsversuche die Vorwürfe nicht ausreichend aufklären können.

"Ernst & Young zufolge "übertraf die jeweilige versicherungstechnische Wertschöpfung für das laufende Geschäftsjahr den jeweiligen ausgewiesenen Jahresüberschuss einschließlich des darin enthaltenen Ergebnisbeitrags aus den abgeschlossenen Rückversicherungsverträgen für das Geschäftsjahr 2001 deutlich", zitierte MLP aus dem Gutachten. Damit sei belegt, dass die Jahresüberschüsse der MLP-Lebensversicherungen durch die erwirtschaftete versicherungstechnische Wertschöpfung der Versicherungsbestände getragen werde. Die Behauptung, die Gewinne seien aufgebläht worden, sei völlig haltlos.

Die anonyme Anzeige, die im Kern die selben Vorwürfe erhebe wie der Bericht des Magazins im Mai, sei MLP schon eine Weile bekannt, sagte ein MLP-Sprecher. Doch der Besuch der Staatsanwaltschaft sei nun überraschend gewesen, weil MLP davon ausgegangen sei, dass die Behörde das Gutachten abwarten werde. MLP hat Ernst & Young vor kurzem zum zweiten Wirtschaftsprüfer neben Rölfs & Partner bestellt.

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