Verdacht auf Insiderhandel: Kim Schmitz zieht am Dienstag in deutsche Zelle

Verdacht auf Insiderhandel
Kim Schmitz zieht am Dienstag in deutsche Zelle

Der in Thailand inhaftierte Unternehmer Kim Schmitz wird wohl schon am Dienstag eine deutsche Zelle beziehen. "Wir erwarten ihn morgen Vormittag in München", sagte Manfred Wick, leitender Oberstaatsanwalt beim Landgericht München am Montag.

Reuters FRANKFURT. Die Staatsanwaltschaft ermittle gegen Schmitz wegen des Verdachts auf Insiderhandel in elf Fällen. Nach seiner Festnahme am Münchener Flughafen werde Schmitz dem Richter vorgeführt und zunächst in Untersuchungshaft bleiben. Die ebenfalls gegen Schmitz gerichteten Ermittlungen wegen Kapitalanlagebetrugs seien abgeschlossen, sagte Wick weiter. In diesem Fall sei eine Geldstrafe festgelegt worden, zu deren Höhe Wick keine Angaben machen wollte. Der flüchtige Schmitz war am Freitag in Bangkok auf Bitten der deutschen Botschaft festgenommen worden.

Nach Angaben von Wick ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob der Luxus-Liebhaber unter Ausnutzung von Insider-Wissen Aktien des Internethändlers Letsbuyit.com für 375 000 Euro gekauft und kurz danach für 1,5 Mill. Euro abgestoßen habe. Der für seinen Hang zur Selbstinszenierung bekannte Schmitz betreibt unter anderem die auf Internetfirmen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft Kimvestor, über die er im Januar 2001 rund 3,6 Mill. Letsbuyit-Aktien erworben hatte.

Auch das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) verdächtigt den 28-jährigen des Insiderhandels. "Wir haben nach einer Insideruntersuchung bei der Münchener Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet, weil der Verdacht entstanden war, dass in Letsbuyit.com-Aktien verbotener Insiderhandel stattgefunden hat", sagte eine BAWe-Sprecherin. Ihre Behörde habe beim Handel mit Letsbuyit.com-Titeln im Januar 2001 Auffälligkeiten festgestellt und daraufhin ihre Untersuchungen aufgenommen.

Schmitz hatte über Kimvestor dem in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Internethändler ein zinsfreies Darlehen über 1,15 Mill. Euro gewährt und damit die 3,6 Mill. Aktien erworben. Ein Letsbuyit-Sprecher sagte, im Rahmen seines Engagements habe Schmitz durchaus gewisse Insiderkenntnisse erlangt. "Schmitz hatte sicherlich Einblick in die Geschehnisse um sein Investment und wusste, dass damit der Konkurs abgewendet werden kann", sagte der Sprecher. Derzeit pflege Letsbuyit.com keinerlei Geschäftsbeziehungen mehr mit Schmitz, sehe aber auch keinen Anlass gegen ihn vorzugehen. "Wir sind dran und prüfen, ob uns Nachteile entstanden sind", sagte der Sprecher.

Schmitz' Flucht aus Deutschland sei nicht mit Furcht vor der Justiz zu begründen, sondern mit der Furcht vor Gläubigern, sagte sein Anwalt Thomas Pfister. Oberstaatsanwalt Wick sagte, es handele sich bei den Gläubigern um vier Personen, die Schmitz 670 000 Mark geliehen hatten und dafür zwei Mill. DM zurückerhalten sollten. Der drei Zentner schwere Schmitz habe Anzeige erstattet, weil er sich von ihnen bedroht gefühlt habe, nachdem er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachgekommen war. Auf seiner Internetseite www.kimble.org hat der auf große Auftritte bedachte Schmitz für den heutigen Montag - seinen 28. Geburtstag - seinen Tod angekündigt. Dem Count Down nach hatte Schmitz gegen zehn Uhr morgens noch sechs Stunden und 53 Minuten zu leben, gegen 15.00 Uhr war es noch genauso lang.

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