Verdacht auf organisiertes Verbrechen
EU klagt US-Tabakriesen an

Der US-Zigarettenhersteller R. J. Reynolds unterstützt nach Darstellung der EU-Kommission zumindest mittelbar das organisierte Verbrechen. Als Verkäufer von Zigaretten an Schmuggler, Terrorgruppen sowie Drogen- und Waffenhändler habe der Konzern an der Geldwäsche mitgewirkt. Das steht in einem internen Bericht der EU-Kommission, der dem Handelsblatt vorliegt.

jh/tor BRÜSSEL/NEW YORK. Danach kaufen kriminelle Gruppen in Europa, Russland und auf dem Balkan sowie Drogenbanden in Kolumbien und Afghanistan in großen Mengen die Reynolds-Marken Winston und Camel direkt vom Konzern. Auch Uday Hussein, Sohn des irakischen Diktators Saddam, wird als Abnehmer genannt. Allein der Irak soll nach dem EU-Bericht illegal Milliarden von Zigaretten importiert haben. Reynolds, zweitgrößter US-Zigarettenhersteller, verstoße damit gegen ein US-Gesetz, das Exporte in das Land untersagt. Die Kommission will Beweise haben, dass "eine oder mehrere Terrorgruppen, die in der EU Anschläge verübt haben" zu den Schmugglern zählen. Die kurdische PKK soll Ware in den Irak geleitet haben. "Eine Verbindung zu El Kaida haben wir aber nicht feststellen können", versichern EU-Kreise.

"Die Kommission plant, in Kürze eine Klage wegen Geldwäsche im Zusammenhang mit Zigarettenschmuggel einzureichen", sagte EU-Haushaltskommissarin Michaele Schreyer dem Handelsblatt. Vorliegende Beweise zeigten, dass RJR wusste, dass Erlöse aus kriminellen Aktivitäten mit Zigarettenverkäufen gewaschen würden, heißt es in dem Bericht der Behörde.

Nach Informationen des Handelsblatts hat die EU-Kommission bereits gestern die fertige, 149 Seiten umfassende Klageschrift in New York eingereicht. Zehn EU-Staaten - darunter Deutschland - treten als Nebenkläger auf. Der EU geht es vor allem darum, den Zigarettenschmuggel zu unterbinden. Schadensersatzforderungen in Höhe von "mehreren Hundert Millionen" Euro seien dagegen zweitrangig.

Unklar blieb zunächst, auf welche der verschiedenen Reynolds-Firmen die EU-Klage zielt. Ein Sprecher von R. J. Reynolds Tobacco wies alle Vorwürfe gegenüber dem Handelsblatt als unbegründet zurück: "R. J. Reynolds Tobacco produziert und verkauft keine Zigaretten auf dem europäischen oder irgend einem anderen internationalen Markt", sagte Firmensprecher Seth Moskowitz. Er wies darauf hin, dass das internationale Geschäft 1999 an Japan Tobacco verkauft wurde und heute mit Sitz in Genf als JT International firmiert. Mit dem Verkauf seien auch alle rechtlichen Verpflichtungen auf den japanischen Konzern übergegangen.

"Unabhängig davon, welches Unternehmen in der Klage genannt wird: R. J. Reynolds Tobacco ist in keine illegalen Geschäfte verwickelt", sagte Moskowitz.

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