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Verdacht auf Sicherheitsverstöße nach AKW-Unfall in Japan

dpa TOKIO. Der tödliche Unfall in einem japanischen Atomkraftwerk war möglicherweise die Folge von Verstößen gegen Sicherheitsstandards. Bei einem Leck waren vier Mitarbeiter im Mihama-Kraftwerk in der Provinz Fukui durch extrem heißen Dampf ums Leben gekommen und mehrere andere verletzt worden.

dpa TOKIO. Der tödliche Unfall in einem japanischen Atomkraftwerk war möglicherweise die Folge von Verstößen gegen Sicherheitsstandards. Bei einem Leck waren vier Mitarbeiter im Mihama-Kraftwerk in der Provinz Fukui durch extrem heißen Dampf ums Leben gekommen und mehrere andere verletzt worden.

Radioaktivität war nach offiziellen Angaben nicht ausgetreten. Ein Direktor der Betreiberfirma Kansai Electric Power Co (Kepco) räumte am Dienstag ein, man sei bereits im November 2003 gewarnt worden, dass das Rohr,

aus dem der Dampf ausströmte, überfällig für eine Inspektion war. Seit Inbetriebnahme des Reaktors im Jahre 1976 war das Rohr laut Medien weder ausgewechselt noch mit Ultraschall untersucht worden.

Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf Ermittlerkreise berichtete, geht die Polizei dem Verdacht nach, dass die Betreibergesellschaft versucht hatte, durch Umgehung von Sicherheitsstandards Kosten zu sparen. "Wir glaubten, dass das Rohr nicht sofort untersucht werden müsste, aber das hat sich als falsch herausgestellt", sagte Kepco-Direktor Hiroshi Matsumura Journalisten. Laut Kyodo hatte das Unglücksrohr durch Kühlwasser nur noch eine Wanddicke von 1,4 Millimetern statt der ursprünglichen zehn Millimeter. Im vergangenen November hatten Inspekteure eines Vertragsunternehmens die Betreiberfirma gewarnt, dass das Rohr untersucht werden müsste.

Doch Kepco setzte das Rohr erst im Frühjahr auf die Liste der zu inspizierenden Teile. Dies sollte bei der für dieses Wochenende geplanten jährlichen Routine-Inspektion des Kraftwerks erfolgen. Die Betreibergesellschaft kündigte an, den Betrieb auch in seinen anderen Atomanlagen für Untersuchungen zu unterbrechen, um zu sehen, ob es andere noch nicht inspizierte Teile gibt. Kepco, Japans zweitgrößter Atombetreiber, hatte Medienberichten zufolge ähnlich erodierte Rohre 1988 sowie 2003 in zwei anderen Meilern in der gleichen Provinz entdeckt. Sie seien gegen neue Rohre ausgetauscht worden, hieß es.

Die staatliche Atomsicherheitsbehörde rief unterdessen die Betreiber von Atomkraftwerken auf, mitzuteilen, ob sie die Rohre angemessen inspiziert haben. Der Vorfall im Mihama-Kraftwerk war der schwerste seit fünf Jahren. Zwei Atomarbeiter wurden getötet, als 1999 in einer Uranverarbeitungsanlage im Dorf Tokaimura nordöstlich von Tokio radioaktive Strahlung austrat. Der bis dahin schwerste Atomunfall in der Geschichte des Landes war das Ergebnis von Kosteneinsparungen und dilettantischer Arbeit. Trotz wiederholter Pannen und Protesten hält Japan am Ausbau der Atomenergie fest.

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