Verdacht der Untreue
Ermittlungen gegen früheren Mannesmann-Chef Esser

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt nun doch gegen den früheren Mannesmann-Chef Klaus Esser. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt am Montag mitteilte, liegen neue Erkenntnisse über einen Anfangsverdacht gegen Esser und weitere Ex-Mannesmann-Manager im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor.

Reuters DÜSSELDORF. Ein gutes Jahr nach der spektakulären Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone ermitteln Staatsanwälte gegen Ex-Vorstandschef Klaus Esser und weitere ehemalige Führungskräfte wegen des Verdachts der Bestechlichkeit. Es gebe einen Anfangsverdacht, dass finanzielle Zusagen an diese Personen zur Aufgabe ihres Widerstandes gegen die Übernahme geführt hätten, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Harden von der Düsseldorfer Generalstaatsanwaltschaft am Montag. Zwei Stuttgarter Rechtsanwälte hatten Strafanzeige gegen Esser gestellt. Dieser nannte die Vorwürfe im Gespräch mit Reuters "unwahr und absurd".

Welche Gründe die Generalstaatsanwaltschaft dazu veranlasst haben, doch noch ein Verfahren einzuleiten, wollte Harden nicht sagen. Die Rechtsanwälte Mark Binz und Martin Sorg waren mit ihrer Anzeige zunächst bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gescheitert, die früheren Angaben zufolge keine hinreichenden Verdachtsmomente erkennen konnte. Die Anwälte hatten daraufhin bei der nächst höheren Instanz, der Generalstaatsanwaltschaft, Beschwerde eingelegt. Im Kern sind sie der Auffassung, dass Esser während des Übernahmekampfes von Vodafone Millionen in Aussicht gestellt worden seien und dass Vodafone dieses Versprechen in einer Bestechungsabsicht gegeben habe. Esser hatte während der monatelangen Kampfes vehement gegen eine Übernahme gearbeitet, ihr dann aber, für die Öffentlichkeit recht überraschend, doch zugestimmt.

Esser: An den Vorwürfen ist nichts dran

Esser wies am Montag den Vorwurf der Bestechlichkeit zurück. "Die Wahrheit ist, dass an den Vorwürfen, die von den Rechtsanwälten Binz und Sorg gemacht werden, nichts dran ist", sagte er im Gespräch mit Reuters. "Es wird behauptet, es sei Geld von Vodafone an mich geflossen. Die Behauptung ist ganz absurd", fügte er hinzu. Esser sprach von einer "politischen Entscheidung" der Generalstaatsanwaltschaft, die das "soziale Volksempfinden" befriedigen wolle. Er werde eine Dienstaufsichtsbeschwerde an das nordrhein-westfälische Justizministerium richten, weil er entgegen den Verfahrensvorschriften kein rechtliches Gehör bekommen habe. Esser, der inzwischen als Partner bei der Venture-Capital-Firma General Atlantic Partners eingestiegen ist, zeigte sich zuversichtlich, das Verfahren zu gewinnen.

Esser hatte nach der Übernahme von Mannesmann durch die britische Mobilfunkgesellschaft Vodafone Plc im Februar vorigen Jahres insgesamt rund 60 Mill. Mark an Abfindung und Prämien erhalten. Diese für deutsche Verhältnisse hohe Summe hatte in der Öffentlichkeit und unter der Belegschaft Entrüstung hervorgerufen. Esser sagte, die von den Anwälten beispielsweise beanstandete "Anerkennungsprämie" von 10 Mill. Pfund (rund 30 Mill. Mark) habe er erst am 2. Februar 2000 in Aussicht gestellt bekommen, Stunden, nachdem der Kampf zugunsten von Vodafone entschieden worden war. "Danach war die Sache vorbei, zu unseren Lasten."

Vodafone hatte den traditionsreichen Mannesmann-Konzern im Februar 2000 nach einem monatelangen, in der deutschen Unternehmensgeschichte bislang einmaligen Übernahmekampf geschluckt und zerschlagen. Die Übernahme hatte die Briten den bislang weltweiten Rekordpreis von 180 Mrd. Euro gekostet.

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