Verdachtsanzeigen deutscher Banken sprunghaft gestiegen
IWF hilft beim Kampf gegen Geldwäsche

Den Jägern von Geldwäschern schließt sich ein mächtiger Verbündeter an. Der Internationale Währungsfonds in Washington (IWF) wird voraussichtlich noch in dieser Woche entscheiden, dass er sich an der Bekämpfung der Geldwäsche und der Terrorismusfinanzierung beteiligen wird.

BONN. Die Federführung der Geldwäschebekämpfung liegt bei der Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF), von der Gruppe der großen Industrieländer (G7) gegründet und bei der OECD in Paris angesiedelt. Mit IWF-Hilfe könne die FATF schneller vorangehen, sagt Jochen Sanio, Chef der deutschen Allfinanzaufsicht, in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Sanio führt seit Juli für zwölf Monate auch den Vorsitz in der FATF.

Die Pariser Organisation versteht sich im Geldwäschekampf als Normgeber, der die internationalen Standards der Geldwäschebekämpfung mit seinen 40 "Empfehlungen" an Aufsichtsbehörden und Banken verbreitet. Der Währungsfonds untersucht schon regelmäßig Finanzstrukturen und die Finanzaufsicht der Mitglieder. Dieses Programm soll jetzt um den Komplex Geldwäsche erweitert werden. Die 40 "Empfehlungen" der FATF werden zur Zeit revidiert. Waren bislang nur Finanzinstitute verpflichtet, verdächtigen Geldtransaktionen nachzuspüren, sollen künftig unter anderem auch freie Berufe wie Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer den Behörden Verdacht auf Geldwäsche melden. "Das wird eine der schwierigsten Aufgaben meiner Präsidentschaft", sagt Sanio. Strittig ist auch das geplante Verbot von Inhaberaktien. Davon sind die Schweiz und Deutschland betroffen. Einer so rigorosen Regelung werde Deutschland aber nicht zustimmen, sagt Sanio.

Ebenfalls nicht unstrittig ist die geplante Offenlegung der wahren Eigentümer von Treuhandfirmen und Treuhandkonten. In Liechtenstein müssen Treuhänder neuerdings der Bank den Namen ihrer Auftraggeber nennen. Das Fürstentum stand auf einer Schwarzen Liste und hat sehr schnell reagiert, um davon wieder herunter zu kommen.

In Deutschland sind Banken dabei, mit Computerhilfe Filter einzubauen, mit denen verdächtige Geldbewegungen erkannt werden können. Laut Sanio ist dadurch die Zahl der Anzeigen bei Verdacht auf Geldwäsche auf 4500 Fälle im Jahr gestiegen - von wenigen Hundert vor einigen Jahren.

Nadel im Heuhaufen

Bei den Geldtransfers zur Terrorismusfinanzierung handelt es sich zumeist um Kleinstbeträge. Sie zu identifizieren, sei wie der Versuch, im Heuhaufen eine Nadel zu finden. Bei den in erster Linie aus den USA versandten Listen Verdächtiger habe man schon ein Problem bei der Umsetzung fremder Schriftzeichen und somit bei der korrekten Benennung Verdächtiger. Die Finanzaufsicht versucht, die Strukturen aufzudecken, über die Terrorgruppen Geld transferieren. Die informellen Transfersysteme, als "Hawala" gerade auch in Deutschland verbreitet, werden von ethnischen Minderheiten genutzt. Hawala hat eine lange Tradition als sicheres Mittel zum Geldtransport über weite Strecken und läuft an etablierten Banken vorbei. Da es ohne schriftliche Belege auskommt, eignet es sich auch vorzüglich zum illegalen Geldtransfer. "Man kann Hawala vom Wohnzimmer aus mit einem Telefon betreiben", sagt Sanio. Aber für eine gewerbsmäßige Betätigung brauche man Geschäftsstellen, vorzugsweise Reisebüros. "An die Tausend" hat die Aufsicht ausgemacht.

"Wir haben im Prinzip nichts gegen diese informellen Transfersysteme", versichert Sanio. In manchen Teilen der Welt könne man Geld gar nicht anders transferieren - zum Beispiel bei Überweisungen in ein Bürgerkriegsland. Die deutsche Finanzaufsicht lässt Hawala-Systeme zu, sofern sie sich lizensieren lassen. Deutschland hat da international eine Vorreiterrolle. 70 Genehmigungen zum Betreiben des Transfergeschäfts hat Sanios Behörde bislang erteilt. Aber die Illegalen wandern in den Untergrund ab. Sie dort aufzuspüren, sei mit dem derzeitigen Personalstand fast unmöglich, bedauert Sanio.

Geldwäsche über das Internet? "Das Internet bietet sich dazu an, wird aber nach unseren Beobachtungen bisher kaum genutzt." Aber Sanio hat da eine aufsichtsrechtliche Lücke entdeckt. Der weltweite Grundsatz, dass jeder, der Bankgeschäfte anbietet, auch beaufsichtigt werden müsse, werde unterlaufen. Über eine aus dem Ausland operierende, in Deutschland jedermann zugängliche Website etwa das Einlagengeschäft anzubieten - dagegen könne die Finanzaufsicht wenig unternehmen, es sei denn, der Anbieter besorge sich eine Adressenkartei und spreche per E-Mail gezielt einen Kundenkreis an. "Würde so etwas aus dem Ausland betrieben, würden wir dort um Amtshilfe mit dem Hinweis ersuchen, dass vom Ausland aus Straftaten in Deutschland begangen würden."

Irgendwo in der Welt gibt es aber immer noch ein Schlupfloch. Nauru zum Beispiel, eine winzige Insel im Südpazifik, eine von der Russenmafia bevorzugte Geldwaschanlage. Die Phosphatinsel ist bisher das einzige Territorium, gegen das die FATF zusätzliche Sanktionen verhängt hat. "Solchen Missetätern ins Gewissen zu reden", gehört auch zu Sanios Job. "Nach Nauru müsste man allerdings erst einmal eine geeignete Flugverbindung finden", seufzt er.

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