Verdachtsfall in Großbetrieb von Sachsen-Anhalt bestätigt
Erstmals droht Massenschlachtung wegen BSE-Falls

Seit Auftreten des Rinderwahnsinns in der Bundesrepublik droht erstmals eine Massenschlachtung. Der BSE-Verdachtsfall in dem Betrieb in Mücheln mit insgesamt 1 012 Tieren ist durch die Tübinger Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere am Mittwoch bestätigt worden, wie der Staatssekretär im sachsen-anhaltinischen Landwirtschaftsministerium, Alois Altmann, in Magdeburg mitteilte.

ap MAGDEBURG. Altmann verwies darauf, dass ein Expertenteam um die Amtstierärztin des Landkreises Merseburg-Querfurt derzeit an einer epidemiologischen Bewertung des Betriebes arbeite. Dabei solle festgestellt werden, ob tatsächlich alle Tiere gekeult werden müssen oder ob es sich hier um zwei getrennte Herden handele. Die 673 Milchkühe und Kälber, unter denen das an Rinderwahnsinn erkrankte Tier stand, wird im Abstand von acht Kilometern von den anderen 339 Mastrindern gehalten.

Der BSE-Krisenstab von Bund und Ländern hatte sich bereits am 25. November vergangenen Jahres auf die Tötung des Gesamtbestandes und nicht nur der Kohorten, das heißt der miteinander verwandten Rinder beziehungsweise Tiere eines Jahrgangs, verständigt. Den Angaben zufolge hatte Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsminister Konrad Keller am Dienstag erneut zum Thema mit Verbraucherschutzministerin Renate Künast telefoniert. Danach erwarten die Magdeburger Politiker von der Bundesregierung keine Abweichung von der Festlegung des Krisenstabes. Und Sachsen-Anhalt schließe einen Sonderweg aus, hieß es weiter.

Das weitere Verfahren in Mücheln werde nach der Bewertung durch das Team um die Amtstierärztin festgelegt, kündigte Altmann an. Voraussichtlich würden die zu tötenden Tiere "schrittweise geschlachtet und auf BSE untersucht".

Der Staatssekretär räumte "schwere Wege für die Menschen und Tiere" in dem betroffenen Betrieb an. Zunächst solle die Kohorte per Injektion getötet werden, später die anderen Rinder. In Kooperation mit Sachsen sei für die Aufgabe ein inzwischen stillgelegter Schlachthof des Nachbarlandes in die engere Auswahl gezogen worden. Die Entsorgung werde voraussichtlich in einem Betrieb in Niedersachsen erfolgen.

Das Land Sachsen-Anhalt prüfe derzeit, wie das Überleben der Landwirtschaftlichen Produktions- und Vertriebsgesellschaft Mücheln mit rund 20 Mitarbeitern gesichert werden kann, sagte Altmann.

Der Geschäftsführer des Landesbauernverbandes Karl-Friedrich Kaufmann appellierte an Künast, sich für eine EU-weite Kohortenschlachtung nach BSE einzusetzen. Bis auf eine Ausnahme in Schleswig-Holstein sei in keinem der Betriebe mit Rinderwahnsinn mehr als ein Tier erkrankt. Das hätten die BSE-Tests der gekeulten Rinder ergeben.

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