Verdächtige auf den Philippinen festgenommen
E-Mail-Virus setzte auch japanischen Firmen zu

hsn/HB DÜSSELDORF. In Japan hat der E-Mail-Virus "I love you" nach einem verlängerten Feiertagswochenende erst am Montag in vollem Umfang zugeschlagen. Die Mitarbeiter zahlreicher Behörden und Unternehmen fanden die E-Mail mit der schädlichen Software in ihrem elektronischen Briefkasten. Trotz Warnungen wurden innerhalb kurzer Zeit 73 000 infizierte Dateien gezählt, wie eine Sprecherin des Antiviren-Software-Herstellers Trend Micro berichtete. Der Sprecher des Handelsministeriums (MITI), Atsushi Kuwabara, rechnet damit, dass der Schaden in den Computersystemen jedoch begrenzt bleiben werde, weil die meisten Firmen auf die E-Mail-Attacke vorbereitet waren.

In der philippinischen Hauptstadt Manila sind gestern drei Personen festgenommen worden, die das zerstörerische Computer-Virus "I love you" weltweit verbreitet haben sollen. Bei den drei Verdächtigen handelt es sich nach Angaben der Behörden um ein Ehepaar und um die Schwester der Ehefrau. Unklar war gestern Nachmittag noch, wer von den Dreien die Virusattacke ausgelöst hat. Die Polizei beschlagnahmte Computerzubehör, Telefonanlagen und Dokumente.

Von dem am vergangenen Donnerstag aufgetauchten Virus und seinen Spielarten sind mehr als 20 Länder in Asien, Europa und Nordamerika betroffen. Der E-Mail-Virus und seine Ableger haben nach Schätzung des PC-Virenexperten Michael Erbschloe aus den USA einen Schaden von mindestens 4,7 Mrd. Dollar (10 Mill. DM) angerichtet.

Bis der Virus vollständig beseitigt sei, könne der gesamte wirtschaftliche Schaden sogar auf mehr als 10 Mrd. $ anwachsen, sagte der Chef der auf Anti-Viren-Programme spezialisierten Unternehmensberatung Computer Economics am Montag. Nach Angaben des Antiviren-Herstellers Symantec sind inzwischen 13 Varianten im Umlauf. Eine davon gebe sich als Virenwarnung von Symantec aus. Das Unternehmen rät, diese Mail sofort zu löschen.

Datenschutzexperten sind sich einig, dass die Auswirkungen des E-Mail-Virus nicht so gravierend gewesen wären, wenn die Mitarbeiter vorsichtiger mit der elektronischen Post umgegangen wären. "Die besten Firewalls und Virenscanner helfen nichts, solange das Thema Sicherheit in den Unternehmen nicht wirklich ernst genommen wird", warnt Stefan Küch, IT-Security-Experte beim Dortmunder IT-Beratungsunternehmens go-net.

Sicherheitslücken entstünden weniger durch die Qualität der technischen Ausstattung als durch die nachlässige Wartung der Sicherheitssysteme, die - wenn sie nicht tagesaktuell gepflegt werden - in wenigen Stunden veraltet sein können. Entscheidend, so Küch, sei vor allem die Sensibilisierung und kontinuierliche Schulung der Mitarbeiter. "Werden einfache Verhaltensmaßregeln beachtet, kann die Verbreitung eines Virus schnell gestoppt werden", so Küch. So hätte sich der Virus niemals mit dieser Vehemenz ausbreiten können, wenn die Anwender den Anhang der E-Mail nicht geöffnet hätten.

Marktforscher von Forrester Research Inc empfehlen Anbietern von Software, "gefährliche Bausteine" eines Programms abzuschalten. So sollte Microsoft die Werkseinstellung des Visual Basic Script ändern: Anwender, die die Programmiersprache benötigen, könnten sie später selbst aktivieren. Unternehmen als Anwender von Software empfehlen die Marktforscher ihre Personalpolitik zu überdenken: Mitarbeiter, die mit Sicherheitsproblemen zu tun hätten, sollten mit größeren Kompetenzen ausgestattet werden.

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