Verdächtige Marktbewegungen
Hinweise auf Insidergeschäfte der Terroristen

Die Hinweise auf illegale Insidergeschäfte im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Amerika verdichten sich. "Inzwischen kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass es an den Finanzmärkten solche Aktivitäten gegeben hat", sagte Bundesbank-Präsident Ernst Welteke am Rande des EU-Finanzministertreffens am Samstag im belgischen Lüttich.

rut BRÜSSEL. Experten der Bundesbank hätten die Marktbewegungen vor und nach den Anschlägen untersucht. Offenbar habe es tatsächlich Marktteilnehmer gegeben, die über die bevorstehenden Gewalttaten informiert gewesen seien und daraus Kapital geschlagen hätten, erklärte der Bundesbank-Präsident. Die illegalen Aktionen an den Märkten seien "mit dem notwendigen Fachwissen geplant und durchgeführt worden", fügte Welteke hinzu.

Der Bundesbankchef nannte dazu erste Details. Offenbar sei es im Zusammenhang mit den Terrorakten zu vermehrten Leerkäufen im Aktienhandel gekommen. Dies bedeute, dass vor den Anschlägen Aktien "ausgeliehen" und nach den Attacken zurückgegeben worden seien. Auch der Handel mit Aktienoptionen habe plötzlich sprunghaft zugenommen. Von den verdächtigen Marktbewegungen an den Aktienbörsen seien unter anderem die Fluggesellschaften betroffen gewesen.

Verdächtige Marktbewegungen auch auf dem Rohöl-Markt

"Auch auf dem Rohöl-Spotmarkt und beim Gold gab es Marktbewegungen, die der Aufklärung bedürfen", sagte Welteke weiter. So sei der Rohölpreis vor den Anschlägen plötzlich gestiegen. Dies könne bedeuten, dass in Erwartung der Terrorattacken Ölkontrakte gekauft und nach den Anschlägen wieder verkauft worden seien.

Nach den Angaben des Bundesbankchefs führt das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt die Ermittlungen in dieser Sache. Es sei sehr schwierig, Beweise für die illegalen Transaktionen zu finden oder gar die Täter aufzuspüren, räumte Welteke ein. Auch in den anderen EU-Staaten wurden die Finanzaufsichtsbehörden beauftragt, verdächtigen Marktbewegungen im Zusammenhang mit den Terroranschlägen nachzugehen.

Französische Behörden frieren afghanische Konten ein

Bundesfinanzminister Hans Eichel wies in Lüttich darauf hin, dass die Bundesregierung dabei sei, die Nachforschungsmöglichkeiten in solchen Fällen zu verbessern. Entsprechende neue Vorschriften sehe der Entwurf des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes vor. Demnach sollen Banken verpflichtet werden, ein EDV-gestütztes Recherchesystem aufzubauen, dass per Knopfdruck dem Ursprung verdächtiger Marktbewegungen nachgeht.

Die französischen Behörden haben afghanische Konten in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar eingefroren, wie Frankreichs Finanzminister Laurent Fabius in Lüttich bekanntgab. Alle EU-Staaten wollen die Ende 2000 verabschiedete Uno-Resolution 1333, die das Einfrieren aller Konten des Terroristen-Führers Osama Bin Laden vorsieht, nun so schnell wie möglich ratifizieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%