Verdi: AVR sollte Chancen nutzen
Raiffeisenbanken halten sich raus

Die von Experten erwartete Einigung im Tarifkonflikt des deutschen Bankgewerbes wird am Freitag voraussichtlich zunächst ohne die Genossenschaftsbanken zu Stande kommen. Der Arbeitgeberverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (AVR) werde nicht an den Verhandlungen teilnehmen, sagte AVR-Geschäftsführerin Annette Kaiser am Donnerstag.

Reuters FRANKFURT. Das vom Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi erzielte Zwischenergebnis berücksichtige wichtige Forderungen der genossenschaftlichen Bankarbeitgeber nicht. Man sei aber generell an einem Tarifabschluss mit Verdi interessiert.

Verdi-Verhandlungsführer Hinrich Feddersen sagte, es wäre eine Provokation, wenn der AVR die Chance nicht nutze, am Freitag zu einer Einigung zu kommen. Der AVR vertritt mehr als 170 000 der insgesamt rund 460 000 Bankmitarbeiter. Eine Einigung zwischen der Gewerkschaft und den Arbeitgebern der privaten Banken ist aber trotz des Ausstiegs des AVR am Freitag weiterhin möglich.

Strukturelle Unterschiede bei Banken

Kaiser sagte, in schwierigen Zeiten träten die strukturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen womöglich deutlicher zu Tage als sonst. Was für die privaten Banken akzeptabel sei, könne für andere Institute zu einem Problem werden. Für Verdi sei es zwar praktischer, für die gesamte Branche zu verhandeln, aber es handele sich bei der Arbeitgeberseite um eine Verhandlungsgemeinschaft. Die einzelnen Mitglieder könnten durchaus in separaten Verhandlungen eigene Vorstellungen durchsetzen. "Wir haben Verdi Verhandlungen angeboten", sagte die AVR-Geschäftsführerin.

Eine der unerfüllten Forderungen des Verbandes betrifft den Angaben zufolge eine mögliche Öffnung des Tarifvertrages, um für einen begrenzten Zeitraum von tariflichen Leistungen abweichen zu können. Als dezentrale Bankengruppe brauchten die Volks- und Raiffeisenbanken solche betrieblichen Bündnisse für Arbeit, um gerade in strukturschwachen Gebieten den Abbau von Arbeitsplätzen möglichst zu vermeiden, hieß es.

Außerdem verfehlten die Eckpunkte des Kompromissvorschlages zum Einstieg in die teilweise leistungsbezogene Vergütung von Mitarbeitern die ursprüngliche Zielsetzung des AVR völlig.

Verdi und die Verhandlungsgemeinschaft Banken hatten sich nach der vierten Verhandlungsrunde Anfang November optimistisch hinsichtlich einer Einigung in dem seit Mai schwelenden Tarifkonflikt geäußert. So seien sich die Tarifparteien in der besonders strittigen Frage nach variabelen Gehaltsanteilen deutlich näher gekommen. Verhandlungsführer der Arbeitgeber in der Verhandlungsgemeinschaft ist Deutsche Bank-Vorstand Tessen von Heydebreck.

Neben der Frage nach einer teilweise variablen Vergütung von Mitarbeitern geht es in dem Tarifstreit um Gehaltserhöhungen und um die Laufzeit eines neuen Tarifvertrages. Verdi fordert Gehaltserhöhungen von rund 3,5 Prozent und eine Laufzeit des Vertrages von 20 bis 24 Monaten.

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