Verdi beschließt Urabstimmung
Versicherungsgewerbe steht vor Streik

Das Versicherungsgewerbe steuert auf den ersten Streik seit mehr als acht Jahrzehnten zu. Der Bundesvorstand der Gewerkschaft Verdi beschloss am Montag in Berlin, kommende Woche mit der Urabstimmung über einen Arbeitskampf zu beginnen. Der Streik könnte dann Ende Juni anlaufen.

dpa BERLIN. Die Tarifverhandlungen für die bundesweit rund 240 000 Beschäftigten waren am vorigen Dienstag Woche abgebrochen worden. Die Gewerkschaft will Forderungen im Umfang von 6,5 % durchsetzen. Die Arbeitgeber legten noch kein Angebot vor. Auch im Bankgewerbe spitzte sich der Tarifkonflikt am Montag zu.

Noch vor Beginn der Urabstimmung soll es bei den Versicherungen zu längeren Warnstreiks kommen. "Wir haben eine flexible Streiktaktik, die je nach dem Verhalten der Arbeitgeber gesteigert werden kann", sagte Verdi-Verhandlungsführer Hinrich Feddersen. Zugleich gab er dem Arbeitgeberverband die Schuld an der härteren Gangart. Sie hätten die Verhandlungen scheitern lassen, indem sie "gesellschaftspolitische Vorbedingungen" für Gehaltserhöhungen gestellt hätten. Im Versicherungsgewerbe wurde zuletzt 1919 für einige Tage gestreikt.

Die Arbeitgeber hatten in der vorerst letzten Verhandlungsrunde darauf bestanden, dass Verdi zunächst eine Erklärung zur Unantastbarkeit der Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung abgibt. Die Gewerkschaft lehnte dies jedoch ab. Verdi hatte sich dafür ausgesprochen, Arbeitnehmern erst ab einem Einkommen von 4 500 ? im Monat den Zugang zur privaten Krankenversicherung zu ermöglichen, um die gesetzlichen Kassen zu stärken. Derzeit liegt die Grenze bei 3 500 ?.

Zudem plädierte Verdi für eine Pflichtversicherung von Beamten und Selbstständigen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Damit würden die privaten Krankenkassen viele Kunden verlieren, was dort zum Verlust von Arbeitsplätzen führen könnte. Die Arbeitgeber warnen vor dem Abbau von bis zu 50 000 Stellen.

Unterdessen verschärfte sich auch im Tarifkonflikt für die 460 000 Beschäfigten des Bankgewerbes der Ton. Auch hier will Verdi die Urabstimmung einleiten, falls die Arbeitgeber bei der nächsten Verhandlungsrunde am 13. Juni kein "akzeptables Angebot" machen. Zudem soll es auch in den Banken bis Mitte Juni Warnstreiks geben.

Für das Bankgewerbe fordert Verdi ebenfalls Gehaltssteigerungen, berufliche Weiterbildungsansprüche und beschäftigungssichernde Maßnahmen im Gesamtvolumen von 6,5 %. Die Arbeitgeber haben noch kein Angebot vorgelegt. Sie verlangen zunächst eine Einigung über Öffnungsklauseln, mit denen Banken eine Bezahlung unter Tarif ermöglicht würde.

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