Verdi-Chef Bsirske als Arbeitsminister gehandelt
Schröders Kernmannschaft erhält stärkeren grünen Anstrich

Aber: "Im Sieg muss man bescheiden sein", sagte der Grünen-Spitzenkandidat und Außenminister Joschka Fischer.

dpa/HB BERLIN. So gut wie sicher scheint zu sein, dass Justizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD), die mit Blick auf US-Präsident George W. Bush und seiner Irak-Politik einen gewagten Vergleich mit den Methoden der Nazi-Politik vollzogen haben soll, nicht mehr zur Regierunsmannschaft gehören wird.

Schröders rot-grüne "Kernmannschaft" wird aller Voraussicht nach im Wesentlichen erhalten bleiben. Fischer bleibt Außenminister und Vizekanzler. Einen Stammplatz im neuen Kabinett haben auch die SPD - Politiker Hans Eichel (Finanzen) und Regierungssenior Otto Schily (Innen), der den nächsten Bundestag als Alterspräsident eröffnen wird. Regierungsmitlied soll auch Peter Struck (SPD) bleiben, der in der Endphase der Regierung den Chefposten im Verteidigungsministerium respektabel ausfüllte.

Wohlgefallen vor allem bei den Grünen, die angesichts ihres Stimmenzuwachs unter Umständen sogar einen Ministerposten mehr erhalten. Neben Fischer werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Renate Künast (Verbraucherschutz und Landwirtschaft) sowie Jürgen Trittin (Umwelt) ihre Regierungsämter behalten. Erhalten die Grünen einen vierten Kabinettsposten, werden dem Chef der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, gute Chancen eingeräumt.

Als relativ unangefochten gelten in einem rot-grünen Bündnis auch die Ministersessel von Entwicklungshilfeminiserin Heide Wieczorek- Zeul, Bildungsministerin Edelgard Bulmann sowie Familienministerin Christine Bergmann (alle SPD). Große Fragezeichen stehen hinter den Namen Walter Riester (Arbeit), Kurt Bodewig (Verkehr) und der als glücklos angesehenen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (alle SPD). Die bisherige Innen-Staatssekretärin Brigitte Zypries könnte sie beerben. Für Däubler-Gmelin stünde an der Spitze des Justizressorts die Baden-Württembergerin Ute Vogt zur Verfügung, die beim Kanzler und SPD-Chef hoch im Kurs steht.

Mindestens ebenso interessant wie die künftige Kabinettsliste sind nach der Wiederauflage der rot-grünen Koalition auch die Besetzung von Spitzenpositionen in den Fraktionen oder der zweiten Ebene in den Behörden. Der kämpferische SPD-Fraktionschef Ludwig Stiegler hat mit seinen barocken Redewendungen nicht nur den politischen Gegner gegen sich aufgebracht. Er könnte ebenso zur Disposition stehen wie sein Pendant bei den Grünen, Rezzo Schlauch. Der hatte sich vor allem durch seine großzügige Auslegung der Verwendung dienstlich erworbener Bonus-Meilen für einen Privatflug nach Bangkok ins Gerede gebracht. Ihn könnte die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin, Katrin Göring-Eckhardt ersetzen. Möglicherweise zieht es die zweite Fraktionschefin, Kerstin Müller, als Staatsministerin zu Fischer ins Auswärtige Amt.

Für Stiegler als Chef der sozialdemokratischen Fraktion wäre SPD - Generalsekretär Franz Müntefering erste Wahl, wenn Schröder auf ihn als "geschäftsführenden Parteivorsitzenden" verzichten will und kann. Inzwischen wird es als weniger wahrscheinlich angesehen, dass Struck an der Fraktionsspitze zurück kehrt. Auch bei der SPD wäre der Parlamentarische Geschäftsführer Wilhelm Schmidt oder Fraktionsvize Jürgen Poss eine Alternative. Nachdem die SPD wohl auch stärkste Fraktion bleiben wird, steht auch einer zweiten Amtszeit von Wolfgang Thierse als Bundestagspräsident nichts im Wege.

Ein Wechsel zeichnet sich im Amt des Regierungssprechers ab. Uwe-Karsten Heye, so heißt es, will neue Wege beschreiten und als Medienberater in die freie Wirtschaft wechseln. Der stellvertretende Sprecher der Bundesregierung, Bela Anda, könnte zur Nummer eins befördert werden. Bereits an diesem Montag werden erste Vorentscheidungen in den Gremiensitzungen von SPD und Grünen erwartet.

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