Verdi: Cockpit verhält sich "sozial-darwinistisch"
Gewerkschaften greifen Cockpit scharf an

Der erneute Streik der Piloten und das Vorgehen von Cockpit bei den Verhandlungen mit der Lufthansa belastet zunehmend das Verhältnis zwischen der Pilotenvereinigung und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

bue DÜSSELDORF. Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane, übte am Donnerstag scharfe Kritik am Verhalten der Pilotengewerkschaft und bezeichnete die Forderungen als "äußerst problematisch". Sie warf Cockpit in Medieninterviews vor, ihre zentrale Stellung im Betriebsablauf "egoistisch für ihre Interessen" auszunutzen. Dies sei "sozial-darwinistisch". Zudem demonstrierten am Flughafen Frankfurt 500 Mitarbeiter der Lufthansa gegen den Streik der Piloten. Am Montag wollen sich beide Seiten wieder an den Verhandlundlungstisch setzen.

Beim dritten Pilotenstreik innerhalb von zwei Wochen musste die Lufthansa am Donnerstag knapp 500 Flüge streichen. Betroffen waren schätzungsweise 50 000 Passagiere auf allen deutschen Flughäfen. Die Lufthansa hatte nach eigenen Angaben am Mittwoch eine gegenüber dem letzten Angebot verbesserte Offerte vorgelegt. Das unterbreitete "Dreipunkte-Angebot" an die Piloten sieht eine verbindliche Lohnsteigerung um 13,4 %, zwei variable Monatsgehälter und eine jährliche Lohnsteigerung angepasst an den Branchendurchschnitt vor, teilte eine Lufthansaprecherin gegenüber Handelsblatt.com mit. Die Pilotengewerkschaft habe dem Angebot von zwei variablen Monatsgehältern zugestimmt, die anderen Punkte jedoch abgelehnt. Cockpit forderte zuletzt nach eigenen Angaben Lohnsteigerungen von linear 24 Prozent.

Gewerkschaften warnen vor Entsolidarisierung der Beschäftigten

Unterdessen griff die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Margret Mönig-Raane die Pilotengewerkschaft in Interviews mit der Zeitung "Die Welt" und der Nachrichtenagentur "Reuters" scharf an. Die Lufthansa müsse sich fragen, welchen Anteil sie selber daran habe, dass sich der Arbeitskampf derart zugespitzt habe. "Ich habe große Probleme damit, dass eine Berufsgruppe, die an einer Nervenzentrale in einem Unternehmen sitzt, ohne Rücksicht auf alle anderen rigoros eigene Interessen durchsetzt", sagte Mönig-Raane. Die im Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Tarifpolitik zuständige Mönig-Raane äußerte sich besorgt darüber, dass der Arbeitskampf der Piloten zur Entsolidarisierung der Beschäftigten führen könne. Bei den Mitarbeitern des Bodenpersonals gebe es bereits die Erwartung, dass sie einen Nachschlag fordern könnten.

Auch DGB-Chef Dieter Schulte warf der Pilotenvereinigung Cockpit mangelnde Solidarität mit den übrigen Lufthansa-Beschäftigten vor. Am späten Mittwochabend sagte er in der ARD-Sendung "Joachim Gauck": "Cockpit entfernt sich hier von der Verhältnismäßigkeit der Mittel."

Verlängerung des Arbeitskampfes nicht geplant

Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther unterstrich im ZDF - Morgenmagazin die Verhandlungsbereitschaft des Unternehmens, kündigte aber gleichzeitig eine harte Haltung an. Die Pilotenvereinigung Cockpit wertete den Streik als Erfolg und kündigte an, dass das Personal nach dem 24-stündigen Streik am Freitag voraussichtlich wieder normal arbeiten wird. Eine Verlängerung des Arbeitskampfes sei derzeit nicht geplant, sagte Eckhard Bergmann von Cockpit.

Am Montag wird weiter verhandelt - bisher keine neuen Angebote

Die Piloten und die Fluggesellschaft verständigten sich am Rande des 24-Stunden-Streiks auf die Wiederaufnahme der Gespräche. Ab Montagnachmittag solle weiterverhandelt werden, sagte das Mitglied der Tarifkommission der Vereinigung Cockpit, Hans-Christoph Thumm.

Der Cockpit-Vertreter betonte, bisher gebe es weder ein neues Angebot des Unternehmens noch von der Gewerkschaft ein Signal zur Annäherung. «Wir wollen möglichst schnell weiterverhandeln», bekräftigte eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt am Main. Dies liege allein schon im Interesse der Passagiere.

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