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Verdi contra IG Metall – Wer erobert die New Economy?

Sie betonen ihren Willen zur Einigkeit, die beiden Großgewerkschaften Verdi und IG Metall. Doch der Machtkampf um die Organisationshoheit speziell in den neuen Dienstleistungsberufen ist noch lange nicht beigelegt.

Die Geburt war lang und schwer, doch nach der letzten Wehe herrscht Erleichterung bei den glücklichen Eltern: Aus fünf Einzelgewerkschaften wurde Verdi. Die neue, die große Dienstleistungsgewerkschaft. Und kaum ist der Ex-ÖTV-Chef Frank Bsirske nun auch Vorsitzender von Verdi, tut er zweierlei: Er verspricht, sich verstärkt um die Beschäftigten in der New Economy zu kümmern. Und er streckt als neue Nummer Eins unter den Gewerkschaften der ehemalig größten Einzelgewerkschaft der Welt, der nun auf Platz Zwei verwiesenen IG Metall, partnerschaftlich die Hand hin - ganz so, wie es sich für einen ordentlichen Gewerkschafter gehört.

Doch kann das wirklich gut gehen? Zwar bemüht sich auch die IG Metall, Spekulationen um bevorstehende Machtkämpfe zwischen den beiden großen Gewerkschaften herunterzuspielen. IG-Metall-Chef nimmt sogleich Bsirskes ausgestreckte Hand und betont, dass man sich auf einen neuen, starken Partner freue. Doch gleichzeitig wirbt die IG Metall dieser Tage auf einem Messestand bei der Cebit unter Beschäftigten aus der IT-Branche um Mitglieder. Also genau bei jenen Arbeitnehmern, die auch Verdi-Vorkämpfer Bsirske meint, wenn er von dem Webdesigner spricht, dem die Dienstleistungsgewerkschaft nicht verbieten wolle, bei wichtigen anstehenden Projekten auch mal 12 Stunden zu arbeiten.

Bei allen Solidaritätsbekundungen zwischen Verdi und IG Metall - der Streit um die gewerkschaftliche Organisationshoheit speziell in der New Economy dürfte noch lange nicht beigelegt sein. Schließlich wissen beide Gewerkschaften, dass sie in den neuen Dienstleistungsbranchen Fuß fassen müssen, wollen sie auch in Zukunft kampffähig sein.

Verdi bringt hierfür auf den ersten Blick die besseren Voraussetzungen mit, hat man doch in den eigenen Reihen mit den ehemaligen Gewerkschaftern von HBV oder DAG Leute, die sich im Angestellten-Millieu besser auskennen als die Metaller. Und mit dem Projekt Connexx.av, von den Verdi-Fusionspartnern IG Medien und DAG ins Leben gerufen, kann man erste kleine Erfolge in der New Economy vermelden. So gelang es zum Beispiel, bei der Multimediaagentur Pixelpark die Wahl eines Betriebsrates zu initiieren.

Andererseits sollten die Verdiander die IG Metall nicht unterschätzen. Sie wird sich, anders als Verdi, nicht um jede Mini-Werbeagentur oder jedes Hinterhof-Startup kümmern und hat nicht das Problem von Verdi, so viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen zu müssen. Statt dessen werden sich die Metaller auf den Bereich konzentrieren, in dem sie bereits eine Basis haben: die IT-Branche. Dort könnte die IG Metall dann Verdi vormachen, was die Macht einer Gewerkschaft wirklich ausmacht: Das sind nicht so sehr die Service-Angebote für die Mitglieder der neuen Branchen, von denen sich die Verdianer womöglich einiges versprechen. Das ist schlicht die Fähigkeit, Tarifverträge durchzusetzen.

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