Verdi gegen "Extrawürste"
Neue Probleme für Lufthansa

Bei der Lufthansa wollen das Boden- und Kabinenpersonal möglicherweise einen Nachschlag beim Gehalt verlangen. Der für diesen Bereich bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zuständige Sprecher Ingo Schwope sagte am Freitag in Hamburg, wenn die Lufthansa für die Piloten eine besonders große "Extrawurst" brate, könne dies nicht ohne Folge für die anderen Berufsgruppen bleiben.

Reuters FRANKFURT. Die Lufthansa lehnte eine Stellungnahme zu möglichen neuen Tarifforderungen anderer Beschäftigtengruppen ab. Mit den Piloten soll nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen ab Montag weiterverhandelt werden. Als Nachwirkung des Streiks der Piloten vom Donnerstag, bei dem 800 der geplanten 1100 Flüge ausfielen, wurden am Freitag bis zum Mittag 52 Flüge gestrichen.

Für die 55 000 Beschäftigten des Boden- und Kabinenpersonals war im März eine Gehaltssteigerung um 3,5 % sowie eine Ergebnisbeteiligung vereinbart worden. Für die Piloten forderte die Vereinigung Cockpit (VC) zuletzt noch Gehaltszuwächse um 24 % sowie eine Gewinnbeteiligung, während die Lufthansa 10,6 % plus Prämie bot. Da die Tarifverhandlungen bislang keine Einigung brachten, hatten die Piloten am Donnerstag zum zweiten Mal binnen acht Tagen ihre Arbeit für 24 Stunden ruhen lassen. In den vergangenen Tagen hatte die unternehmensinterne Kritik an dem Vorgehen der Piloten zugenommen.

Verdi-Sprecher Schwope sagte, die Lufthansa müsse Einkommensgerechtigkeit wahren. Diese würde zerstört, wenn die Piloten erhielten, was sie forderten. Derzeit liefen Verhandlungen mit der Lufthansa über Einstiegsgehälter des Bodenpersonals und über die Vergütungsstruktur der Kabinenbeschäftigten, und ein Abschluss der Piloten werde bei den noch laufenden Verhandlungen genau bewertet. Gegebenenfalls werde man danach höhere Forderungen stellen, sagte Schwope. Der vereinbarte Gehaltsabschluss für das Boden- und Kabinenpersonal mit linearen Erhöhungen um 3,5 % solle allerdings nicht nachverhandelt werden, er passe mit einem Gesamtvolumen von fünf Prozent gut in die tarifpolitische Landschaft.

Als Nachwirkung des Pilotenstreiks vom Vortag strich die Lufthansa am Freitag nochmals mehrere Dutzend Flüge. Dabei handele es sich im wesentlichen um ursprünglich geplante Auslands-Rückflüge von Maschinen, die am Donnerstag wegen des Streiks nicht zu ihren Auslandszielen gestartet seien. Die betroffenen Passagiere würden auf andere Maschinen oder andere Fluggesellschaften umgebucht. Außerdem habe es am Vormittag noch einige Verspätungen gegeben. "Wir rechnen damit, dass sich bis zum Mittag alles normalisiert", sagte die Sprecherin. Trotz des Streiks stellte die Lufthansa am Donnerstag den Start von 300 Flügen und damit rund 100 mehr als beim Streik in der Vorwoche sicher. "Es haben sich mehr Piloten zum Dienst gemeldet als in der Woche zuvor", sagte die Sprecherin.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit entgegnete, von einem Nachlassen der Unterstützung der Streiks durch die Piloten könne keine Rede sein. "Wir stellen fest, dass unsere Mitglieder in voller Solidarität hinter uns stehen", sagte Verhandlungsführer Michael Tarp in Neu-Isenburg. Der Lufthansa warf die VC vor, "psychologische Kriegsführung" zu betreiben und einen Keil zwischen die Piloten und andere Bereiche der Belegschaft treiben zu wollen.

Eine neue Verhandlungsrunde wurde nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen für Montag anberaumt. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Cockpit äußerte sich zuversichtlich, dass bald ein Kompromiss erreicht werden könnte. Jedenfalls sei die Situation noch nicht so, dass ein neutraler Schlichter benötigt werde, um den Tarifkonflikt beizulegen. Er habe die Hoffnung, dass auch ohne einen Schlichter eine Lösung gefunden werden könne, sagte Tarp.

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