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Verdi-Gründung: Vier-Plus-Eins-Modell als Auffanglösung

Die Chancen zur Teilnahme aller fünf deutschen Dienstleistungswerkschaften an der geplanten Großgewerkschaft Verdi haben sich nach Einschätzung der beteiligten Gewerkschaftsvorsitzenden verbessert.

Reuters MAINZ. Dennoch bereitet sich die Mitgliederversammlung der Verdi-Gründungsorganisation am Wochenende in Mainz auf eine Zwischenlösung vor, falls die Delegierten der ÖTV im März nicht mit der nötigen Mehrheit für die Neugründung stimmen sollten. ÖTV-Chef Herbert Mai sagte jedoch am Sonntag vor der Presse, er sei "sehr zuversichtlich", dass die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) von Anfang an bei Verdi dabei sein werde. Bei dem Treffen seien viele strittige Punkte geklärt worden.

Für den Fall, dass die ÖTV im März kommenden Jahres nicht für die Auflösung und Neugründung von Verdi stimme, werde es ein sogenanntes Vier-Plus-Eins-Modell als Auffanglösung geben, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Die Ausarbeitung des Modells solle im Oktober abgeschlossen sein. "Wir müssen für den Fall Vorsorge treffen, dass eine der beteiligten Gewerkschaften im ersten Schritt nicht die satzungsrechtlich erforderliche Mehrheit für Verdi erreicht." Die Gründung von Verdi sei aber auch in einem solchen Fall nicht in Gefahr. Das Modell sieht im Kern vor, dass die Gewerkschaft, die die satzungsrechtliche Mehrheit für Verdi nicht erreicht, der Großgewerkschaft später beitritt.

Zuletzt hatte es aus der Gewerkschaft Öffentliche Dienste Transport und Verkehr (ÖTV) Widerstand gegen die geplante Großgewerkschaft gegeben. Die Kritik der ÖTV-Basis hatte sich dabei gegen die Satzung gerichtet, die die Verdi-Gründungsorganisation Anfang Juli verabschiedet hatte. Kritisiert wurde vor allem die geplante Neuaufteilung der Bezirke und die Finanz- und Entscheidungsstruktur der neuen Gewerkschaft. 80 % der Delegierten jeder Gewerkschaft müssen der Auflösung und Neugründung zustimmen.

ÖTV-Chef Mai sagte am Sonntag, bei der Bezirksbildung sei man ein gutes Stück voran gekommen. In sechs Landesbezirken gebe es eine Lösung, in sechs weiteren stehe sie unmittelbar bevor. Probleme gebe es allerdings noch im größten Landesverband der ÖTV, Nordrhein-Westfalen. Auch dort könne jedoch bis zum Herbst eine Übereinkunft erzielt werden. Auf dem ordentlichen Hauptkongress der Gewerkschaft Anfang November werde sicher bereits eine Vorentscheidung über den Verdi-Beitritt fallen, bevor im März 2001 endgültig entschieden werde. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir dann über 80 % kommen werden", sagte Mai.

Die Gewerkschaftsvorsitzenden betonten, dass die Bemühungen, die Großgewerkschaft aus fünf Mitgliedern zu gründen, absolute Priorität habe. Ein Auffangmodell könne nur als Zwischenschritt dienen. "Unser Ziel ist Verdi mit fünf", machten die Vorsitzenden deutlich. Am Gelingen der Neugründung werde die Reformfähigkeit der gesamten Gewerkschaftsbewegung gemessen. Die Gründung der Großgewerkschaft sei angesichts der sich verändernden Situation in der Informations- und Dienstleistungsgesellschaft richtig und notwendig, sagte der Vorsitzende der Postgewerkschaft, Kurt van Haaren.

Zu Verdi wollen sich die Gewerkschaften ÖTV, HBV, DAG, IG Medien und Postgewerkschaft zusammenschließen. Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) würde rund 3,1 Mill. Mitglieder umfassen, rund die Hälfte davon aus der ÖTV.

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