Verdi kommt
Größte Fusion der Gewerkschaftsgeschichte ist perfekt

Nach rund dreijährigem Tauziehen ist die bisher größte Fusion der deutschen Gewerkschaftsgeschichte perfekt. Die Gewerkschaften ÖTV, HBV, IG Medien, Postgewerkschaft und DAG verschmelzen an diesem Montag zur neuen Supergewerkschaft Verdi.

dpa-afx BERLIN. Nach der ÖTV stimmten am Wochenende bei parallelen Sonderkongressen in Berlin auch die anderen vier Verbände mit den notwendigen Mehrheiten für die Fusion. Verdi wird mit knapp drei Millionen Mitgliedern die größte freie Einzelgewerkschaft der Welt und verdrängt damit die IG Metall auf Platz zwei.

Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wird 1 000 Berufe vertreten

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wird in 13 Fachbereichen 1.000 Berufe vertreten und für sie Tarifverhandlungen führen. Dazu gehören Müllwerker und Krankenschwestern, Verkäuferinnen und Bankangestellte, Postler und Journalisten, Busfahrer und Theaterleute. Bei einem dreitägigen Gründungskongress in Berlin wird Verdi Anfang dieser Woche offiziell aus der Taufe gehoben. Zum Verdi-Chef soll am Dienstag der bisherige ÖTV-Vorsitzende Frank Bsirske gewählt werden. Seinen Sitz hat der neue Gewerkschaftskoloss in Berlin.

Die Großfusion verändert die Gewerkschaftslandschaft und ihr Machtgefüge erheblich. Nach mehr als 50 Jahren kehrt die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) unter das Dach des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zurück. Damit wird die bisherige Konkurrenz von DGB und DAG um Mitglieder beendet. Die Zahl der DGB-Gewerkschaften sinkt von elf auf noch acht. Im DGB wird mittelfristig mit weiteren Fusionen gerechnet.

Zusammenschluss ist Reaktion auf Mitgliederschwund

Mit dem Zusammenschluss reagieren die Gewerkschaften auf den anhaltenden Mitgliederschwund, wachsende Finanzsorgen und den Wandel der Arbeitswelt. Verdi soll die Kräfte der Dienstleistungsverbände bündeln und ein Gegengewicht zu den bisher tonangebenden Industriegewerkschaften bilden. Ziel ist es, die Arbeitnehmer der Dienstleistungsbranchen schlagkräftiger zu vertreten, neue Mitglieder zu werben und "weiße Flecken" zu tilgen. Nach HBV-Angaben verfügt Verdi über ein "Reinvermögen" von 1,8 Mrd. DM und eine Bilanzsumme von 3,1 Mrd. DM.

Der künftige Verdi-Chef Bsirske sprach von einem "historischen Tag". Verdi werde ein politischer Machtfaktor sein. Bereits vor dem Gründungskongress setzte Bsirske politische Akzente und wandte sich gegen einen Ausstieg aus dem Bündnis für Arbeit. Er reagierte damit auf die Drohung der IG Metall, aus dem Bündnis auszusteigen, wenn Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) strittige Äußerungen zum Einbezug der Tarifpolitik ins Bündnis nicht zurücknimmt. Auch Bsirske lehnte es strikt ab, Tarifgespräche im Bündnis zu führen, stellte sich aber dagegen, das Bündnis zu verlassen. Der ÖTV-Kongress nahm einen entsprechenden, von ihm initiierten Antrag mehrheitlich an.

HBI-Chefin: Verdi ist ein "Jahrhundertwerk"

Die Vorsitzende der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), Margret Mönig-Raane, nannte Verdi ein "Jahrhundertwerk". Der Chef der Deutschen Postgewerkschaft (DPG), Kurt van Haaren, sprach von dem "wohl ehrgeizigsten Reformprojekt in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung seit Gründung des DGB im Jahre 1949". DAG-Chef Roland Issen sagte: "Wir brechen jetzt auf in eine neue gewerkschaftliche Zukunft."

Die Vorsitzenden aller fünf Verbände zeigten sich erleichtert, dass die notwendigen Mehrheiten von 75 Prozent bei der IG Medien und 80 Prozent bei den anderen zusammenkamen. Vor allem die ÖTV und die HBV galten als Wackelkandidaten. Hätte eine der Fünf die notwendige Mehrheit verfehlt, wäre die Fusion ganz gescheitert. Bei der ÖTV stimmten 87,1 Prozent der Delegierten für die Fusion. Die DAG kam auf 89,3 Prozent, die HBV auf 84,4 Prozent, die Postgewerkschaft auf 91,4 Prozent und die IG Medien auf 80 Prozent Ja-Stimmen.

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