Verdi nennt Arbeitgeber-Angebot Provokation
Streik trifft Karstadt

Im Tarifstreit des Einzelhandels haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehrere tausend Beschäftigte in fast allen Tarifbezirken aus Protest gegen das Arbeitgeber-Angebot gestreikt. Im Mittelpunkt standen dabei Karstadt-Warenhäuser.

rtr DüSSELDORF. Die Arbeitgeberverbände im Einzelhandel, in denen Karstadt eine gewichtige Rolle spiele, hätten bislang kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, teilte Verdi am Mittwoch zur Begründung mit. In 41 Filialen des Karstadt-Konzerns fänden deshalb vorübergehende Arbeitsniederlegungen und ganztägige Streiks statt. Die Angebote der Arbeitgeber seien eine Provokation, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold bei einer Kundgebung in Hamburg. Allein in Nordrhein- Westfalen sollten rund 1000 Menschen vorübergehend ihre Arbeit niederlegen, erklärte ein Verdi-Sprecher in Düsseldorf. Verdi hatte die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern für die 440 000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel am vergangenen Freitag für gescheitert erklärt.

Verdi: Empörung über Leistungskürzungen bei Karstadt

Der Essener Warenhaus- und Versandhandelskonzern hatte Mitte April angekündigt, die freiwilligen Zulagen für die Mitarbeiter halbieren zu wollen. Dies würde zu Einkommensverlusten von durchschnittlich 1000 ? pro Vollzeitbeschäftigtem führen, erklärte Verdi. Nach umfangreichen Stellenkürzungen würden die Karstadt-Beschäftigten nun auch noch mit Streichungen bestraft, sagte Wiethold. "Das nehmen wir nicht länger hin."

Die Gewerkschaft wolle vielmehr deutliche Reallohnsteigerungen in der laufenden Tarifrunde durchsetzen. KarstadtQuelle teilte in Düsseldorf mit, die Konjunkturflaute und die dadurch aufgetretenen Verluste bei der Reisetochter Thomas Cook hätten den Konzern im ersten Quartal tiefer in die Verlustzone gezogen. Beim Vorsteuerergebnis (EBT) für Januar bis März 2002 verbuchte das Unternehmen vorläufigen Zahlen zufolge nach eigenen Angaben einen Verlust von 120 Mill. ? nach einem Fehlbetrag von 80 Mill. ? im Vorjahreszeitraum.

Am vergangenen Freitag hatte Verdi für die Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen den Weg zu einer Urabstimmung frei gemacht. Die Große Tarifkommission erklärte die Verhandlungen mit den Arbeitgebern formal für gescheitert. Die Arbeitgeberverbände HDE und BAG hatten bei den bisherigen Verhandlungen ein Angebot mit einer zweijährigen Laufzeit vorgelegt, das im ersten Jahr eine Erhöhung der Entgelte von 1,7 % und im zweiten Jahr eine Anhebung in Höhe der erwarteten Teuerungsrate vorsah. Verdi fordert indessen eine Vorweganhebung bei den Tarifentgelten um 50 ? plus 3,7 % mehr Einkommen. Die Gewerkschaft werde in den nächsten Wochen verstärkt zu Streikmaßnahmen aufrufen, wenn die Arbeitgeber ihre Position nicht veränderten, erklärte Verdi.

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