Verdi und DGB einigen sich auf Kompetenzverteilung
Fusion zu Dienstleistungsgewerkschaft schreitet voran

ap BERLIN. Mit der Einigung auf die künftige Kompetenzverteilung im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die geplante Fusion der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi einen entscheidenden Schritt vorangekommen. Der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel betonte am Mittwoch, auf Grundlage der am Vorabend in Berlin getroffenen Vereinbarung könne Verdi gegründet werden. Die Vorsitzenden aller Gewerkschaften verständigten sich darauf, dass die IG Metall künftig grundsätzlich die Informationstechnologie und Verdi die Telekommunikation koordinieren soll. Auch der Eingliederung der DAG in den DGB steht nichts mehr im Weg.

Zwickel betonte, nach der Beilegung des seit Monaten schwelenden Streits müsse es jetzt darum gehen, "noch gezielter als bisher die Arbeitnehmer anzusprechen, die bisher nicht gewerkschaftlich organisiert sind". Auch die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) zeigte sich erleichtert. "Wir sind sehr froh", sagte Sprecherin Olga Leisinger. Allerdings sei es allen Beteiligten klar gewesen, dass es zu einer Einigung habe kommen müssen. Zwischen den fünf Verdi-Gewerkschaften und besonders der IG Metall hatte es Streit darüber gegeben, wer in den gewerkschaftlich bislang gering organisierten Zukunftsbranchen Telekommunikation und Information um neue Mitglieder werben darf.



"Ein Betrieb - eine Gewerkschaft" gilt weiter

Wenn es dennoch zu einem Kompetenzstreit kommt, wollen die betroffenen Gewerkschaften einen Branchenarbeitskreis bilden, in dem die Frage der Organisations- und Tarifpolitik geklärt werden soll. Auf Wunsch der Gewerkschaften wird der DGB dabei moderieren. Verdi soll nach der Vereinbarung neben der Telekommunikation auch die Branchen Medien und Kultur koordinieren. Grundsätzlich soll der DGB-Grundsatz "ein Betrieb - eine Gewerkschaft" weiter gelten.

Geregelt wurde auch der Umgang mit den bisherigen DAG- und künftigen Verdi-Mitgliedern in Industriebetrieben. Vorgesehen ist, dass die betroffenen Gewerkschafter weiter bei Verdi bleiben, obwohl ihr Betrieb unter die Zuständigkeit einer anderen Gewerkschaft fällt. Verdi verpflichtet sich im Gegenzug, in diesen Betrieben keine neuen Mitglieder zu werben. Um die Tarifsicherheit zu gewährleisten, schließt Verdi so genannte Geschäftsbesorgungsverträge mit der zuständigen Branchengewerkschaft ab.

Der DAG-Vorsitzende Roland Issen erklärte: "Damit werden auch die Interessen der DAG-Mitglieder in der Industrie angemessen berücksichtigt." Auch DGB-Chef Dieter Schulte zeigte sich zufrieden: Man habe nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen "ein Ergebnis erreicht, das beste Chancen hat, in den Gremien und auf den Kongressen aller beteiligten Gewerkschaften Zustimmung zu finden", sagte er nach dem Treffen. Die bisherigen Organisationszuständigkeiten innerhalb des DGB würden durch die Gründung von ver.di nicht in Frage gestellt.

Zu Verdi wollen sich die DAG, die ÖTV, die Deutsche Postgewerkschaft (DPG), die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) und die IG Medien zusammenschließen. Die neue Gewerkschaft soll im Frühjahr 2001 gegründet werden. Sie wäre dann die weltweit größte Einzelgewerkschaft mit fast drei Millionen Mitgliedern aus rund 1 000 Berufen.



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