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Verdienst der Topmanager nähert sich angelsächsischen Verhältnissen

Die Entlohnung von Vorstandsmitgliedern bei deutschen Großunternehmen ist von den in den USA und Großbritannien üblichen Beträgen nicht mehr allzu weit entfernt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsunternehmens Arthur Andersen.

DÜSSELDORF. Fazit der Untersuchung: In einem Rekordjahr wie 2000 kann die Arbeit eines Vorstandsmitglieds in Deutschland durchaus mit zweistelligen Millionensummen belohnt werden.

So hätten beispielsweise die einfachen Vorstandsmitglieder der Deutsche Bank AG im Schnitt Bargeld und Aktienoptionen im Wert von insgesamt 11,08 Mill. Euro eingestrichen, heißt es in der Studie, die dem Handelsblatt vorliegt (siehe Grafik). Der Betrag besteht aus einer Schätzung des Bargehalts und der Boni auf Grundlage des Geschäftsberichts 2000 sowie aus dem nach der anerkannten Black/Scoles-Methode ermittelten Wert der Aktienoptionen. Es handele sich bei letzterem allerdings um einen theoretischen Betrag, der nicht bar erlöst worden sei, betont Andersen-Experte Rainer Schätzle. Zu beachten sei auch, dass in die gesamten Barvergütungen zum Teil auch Abfindungen eingeflossen seien.

Auftraggeber der Studie war der britische Telekomkonzern Vodafone: Die Studie hatte zum Ziel, die Angemessenheit der Millionen-Abfindung zu überprüfen, die Vodafone nach der Übernahme des Konkurrenten Mannesmann im Februar 2000 an dessen damaligen Vorstandschef Klaus Esser gezahlt hatte. Esser hatte neben rund 32 Mill. DM Anerkennungsprämie einen Betrag von rund 29 Mill. DM erhalten, der sich aus der Fortzahlung der Bar- und Bonusbezüge für die Restlaufzeit seines Vertrags von vier Jahren ergeben hatte. Vor diesem Hintergrund hatten die Andersen-Experten zehn global aufgestellte deutsche Konzerne auf ihre Vorstandsbezahlung überprüft. Ergebnis: Mannesmann lag mit der Esser-Entschädigung allenfalls im oberen Mittelfeld.

Politische Bedeutung hat die Studie vor allem für die Diskussion um die geplanten Richtlinien für die Unternehmensführung und-kontrolle (Corporate Governance). Die Regierungskommission unter dem Vorsitz des Frankfurter Wirtschaftsrechts-Professors Theodor Baums hatte in ihrem kürzlich vorgelegten Bericht zum Thema Vorstandsvergütungen empfohlen, für mehr Transparenz gegenüber den Aktionären zu sorgen. Für eine Obergrenze - sei es absolut oder sei es als steuerliche Deckelung der Abzugsfähigkeit für Optionen nach US-Vorbild - sah die Kommission derzeit "keinen Anlass".

Aus Sicht des Corporate-Governance-Experten und Wirtschaftsrechtlers an der Universität Hamburg, Michael Adams, sprechen die Ergebnisse der Andersen-Studie für eine Deckelung: "Das ist ein übler Raubzug an den Aktionären. Die Leute sind so viel Geld nicht wert, bei aller Wertschätzung." Dass siebenstellige Vergütungen üblich geworden seien, sei auf ein Marktversagen zurückzuführen: "Die Aufsichtsräte verteilen anderer Leute Geld - das der Aktionäre."

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