„Verdientermaßen bei Auszeichnungen dabei“
Kahns Kampf geht weiter

Oliver Kahn liebt Spiele wie gegen die Niederlande - gerade jetzt. Da geht es heiß her, da ist der Torhüter 90 Minuten lang gefordert, da steht der Motivations-Pegel auf 100. "Solche Spiele müsste man viel öfter machen. Da siehst du, wo du stehst", meinte Deutschlands Ballfänger Nummer eins vor dem Duell in der ausverkauften Arena "Auf Schalke".

HB/dpa CASTROP-RAUXEL. Kahn, trotz seines Fehlgriffs im Finale von Yokohama bester Spieler der WM 2002, braucht den "brutalen Druck", wie er es immer wieder selbst ausdrückt. "Der Hauptkampf richtet sich ständig gegen mich selbst", hatte der 33-Jährige in den schweren Wochen nach der WM erklärt.

Zu wenig Erholung, zu viel Öffentlichkeit, Gerüchte um private Affären und Probleme, das Aus in der Champions League - da schwächelte sogar der "Titan". Bei Bayern und auch beim Nationalteam zog er sich zurück, gab nur selten Interviews. Die Phase scheint durchschritten, vor dem Prestige-Duell mit den Niederlanden stellte sich der Torwart erstmals seit Monaten wieder einem großen Forum und zeigte sich kämpferisch: "Die WM hat auch im Hinblick auf 2004 und 2006 Deutschland wieder dorthin gebracht, wo wir die deutsche Nationalmannschaft sehen wollen." Kahn eingeschlossen.

"Ist das Balsam auf die Seele?", wollte ein Fragesteller wissen, der sich auf Kahns doppelte Nominierung für die Wahl zu Europas Fußballer des Jahres und zum Weltfußballer 2002 bezog. Erstmals überhaupt könnte ein Torwart den Welt-Thron besteigen. "Auf welche Seele?", entgegnete Kahn schroff. "Das ist das, was ich mir hart erarbeitet habe. Deshalb bin ich verdientermaßen bei diesen Auszeichnungen dabei", erklärte der Kapitän der Nationalelf. Und ob der Abstand zur Nummer 2, Jens Lehmann, nach der WM kleiner geworden wäre, hakte ein anderer ein. "Ich konzentriere mich nur auf das eigene Spiel, auf die eigene Leistung", erwiderte Kahn.

In der Bundesliga gegen den VfL Wolfsburg spielte Kahn erstmals in der laufenden Serie im Münchner Olympiastadion wieder zu Null, und daran hatte er großen Anteil. In der Vorsaison war das dem FC Bayern zu Hause 19 Mal gelungen. "Irgendwann muss auch der Letzte begreifen, dass nach dem Champions-League-Aus die Saison nicht vorbei ist", hatte Kahn an seine Kollegen appelliert. Die Nummer 1 machte es gegen Wolfsburg vor, hielt wieder zwei Unhaltbare, überzeugte. Die turbulente Nach-WM-Zeit hat Kahn bisher durchschritten, ohne dass jemand an seinem Status rütteln konnte. Als "ein bisschen mürrisch" in der Öffentlichkeit hatte Rudi Völler seinen Kapitän vor einem Monat beschrieben - mehr wollte auch der Teamchef nicht sagen.

Kahn bleibt Kahn, das steht nicht erst seit der jüngsten Durststrecke fest. "Man will mich immer wieder in Rollen reinpressen, die ich auszufüllen habe", hatte der Ausnahme-Athlet in dieser Phase erklärt. Doch keiner werde es schaffen, "egal wie oft negativ berichtet wird, mich in diese Zwangsjacke hineinzuzwängen". Sogar ein wenig Humor leistete sich Kahn. Als in der Arena "AufSchalke" das lächelnde Logo für die WM 2006 präsentiert wurde, meinte er: "Nach diesem Logo will ich natürlich dabei sein."

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