Verdientes 4:2 nach 0:1 über die USA
DFB-Team beweist Charakter

Mit einer erneuten Demonstration von Charakter-Stärke hat die deutsche Fußball-Nationalelf weitere Hoffnungen für die Weltmeisterschaft geweckt. Trotz eklatanter Personalnot nach 15 Ausfällen und einem frühen Rückstand setzte sich das Team von Rudi Völler 65 Tage vor WM-Start in Rostock verdient mit 4:2 (1:1) gegen die Auswahl der USA durch.

dpa ROSTOCK. Vor 28 835 Zuschauern im ausverkauften Ostseestadion, die das zweite Länderspiel einer DFB-Auswahl in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung erlebten, erzielten am Mittwoch Christian Ziege (44.), Oliver Neuville (61.), Oliver Bierhoff (61.) und Torsten Frings (68.) die Tore für die erstmals in den neuen WM-Trikots aufgelaufene DFB-Mannschaft, die zum fünften Mal in Folge unbesiegt blieb. Für die USA traf Clint Mathis (17./71.).

Als sich mit dem Leverkusener Michael Ballack (Muskelverhärtung im Oberschenkel) am Spieltag der 15. WM-Kandidat abgemeldet hatte, waren die Erwartungen an den bunt zusammengewürfelten "Haufen" eher gering. So war es kaum verwunderlich, dass man der deutschen Not-Truppe das Fehlen ihrer Persönlichkeiten gegen die auch recht bieder agierenden Amerikaner anfangs deutlich anmerkte. Doch wie schon gegen Israel (7:1) vor sechs Wochen steigerte sich der Europameister von 1996 im Laufe der Partie erheblich. Zudem setzten der sehr agile Ziege sowie die sich enorm steigernden Mittelfeld-Motoren Bernd Schneider und Torsten Frings Akzente und sorgten letztlich für Jubel bei den Fans.

Völlers Rumpf-Elf begann engagiert, kombinierte überraschend gefällig und erspielte sich auch gute Chancen. Nach einem schönen Zuspiel seines Leverkusener Clubkollegen Schneider versprang zunächst dem freistehenden Neuville das Leder (13.). Sekunden später hatte Ziege, der den diesmal geschonten Keeper Oliver Kahn (FC Bayern München) erstmals als Mannschaftsführer vertrat, das leere Tor vor sich. Seinen Schuss schlug Jeff Agoos aus der Gefahrenzone.

Vier Minuten später dann die kalte Dusche für den dreimaligen Weltmeister: Beim ersten Konter ließ Jovan Kirovski den Bremer Frank Baumann, der in der völlig umformierten Hintermannschaft der große Unsicherheitsfaktor war, wie einen Anfänger aussteigen. Der Ex- Dortmunder passte auf Mathis, der erst den Pfosten traf und beim Abpraller nur noch abzustauben brauchte. Debütant Frank Rost (Werder Bremen) im Tor, der auch nicht den sichersten Eindruck vermittelte, hatte keine Abwehrchance. Damit war es mit der deutschen Anfangs- Herrlichkeit vorbei. Es kam zunächst zum Bruch im Spiel der DFB-Elf.

Denn sieben Minuten später hatte sie großes Glück, als erneut der brandgefährliche Mathis freistehend zum Schuss kam, aber aus fünf Metern über den Kasten zielte. Nur mühsam kamen die Gastgeber, die sich viele Fehler im Spielaufbau leisteten, allmählich wieder in Gang. Schneider (36.) setzte mit einem 22-m-Freistoß an die Latte ein Signal. Nachdem Neuville per Linksschuss noch knapp vorbei gesetzt hatte, traf Ziege kurz vor der Pause doch noch zum verdienten 1:1: Sein 23-m-Freistoß landete im Winkel. Es war das neunte Länderspiel- Tor des Interimskapitäns, der fast noch das 2:1 erzielt hätte (45.).

"Wir wollen mehr Risiko gehen, indem wir in der Abwehr nun Mann gegen Mann agieren werden", kündigte Bundestrainer Michael Skibbe zur Pause an. Nach dem Wechsel löste verabredungsgemäß Hans-Jörg Butt im Tor Rost ab. Und das Spiel über die Flügel klappte nun viel besser: Nach Baumanns Flanke kam der bis dahin sehr verunsichert wirkende Bierhoff per Kopf zur ersten guten Chance und zwang Keller zu einer Glanzparade. Vor allem Schneider drehte nun enorm auf und leistete zu den Toren zwei und 3, die Neuville und Bierhoff per Kopf anbrachten, die kluge Vorarbeit. Der starke Frings setzte dann noch einen drauf, ehe der nicht zu kontrollierende Mathis noch verkürzen konnte. Kurz vor Schluss gönnte Völler auch Thomas Brdaric sein Länderspieldebüt.

Wie schon Mitte Februar in Kaiserslautern gegen Israel wurde das USA-Länderspiel von massiven Sicherheitsvorkehrungen begleitet. Mehr als 1000 Beamte waren schon lange vor dem Anpfiff im Einsatz, sie sperrten die ausgebaute und modernisierte Arena weiträumig ab. Die Fans mussten sich zum Teil peniblen Leibesvisitationen unterziehen.

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