Verdoppelung der Rendite und Aufnahme in den Dax angepeilt
Pro-Sieben-Sat 1 hat Interesse an Formel 1

Pro-Sieben 1-Sat will von der EM.TV-Übernahme durch die Kirch-Gruppe profitieren: Konzern-Chef Rohner zeigt sich an den Formel 1-Senderechten interessiert und prüft eine Kooperation im Merchandising.

MÜNCHEN. "Das Produkt Formel 1 ist extrem interessant und spannend für das Fernsehgeschäft", sagte Urs Rohner, Vorstandsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media AG, dem Handelsblatt. Wenn die Rechte frei werden, will Rohner - wie wohl jeder Fernsehveranstalter - "alles tun, um die Rechte zu bekommen". Mit der Formel 1 würde die Attraktivität von Sat 1 steigen.

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Derzeit laufen die Formel 1-Rennen noch beim Kölner Konkurrenten RTL. Der Bertelsmann-Sender hat sich die Rechte bis 2003 gesichert. Doch für die Zeit danach rechnet sich Deutschlands größter TV-Konzern durchaus gute Chancen aus. Denn Leo Kirch, der die Mehrheit bei Pro-Sieben 1-Sat kontrolliert, ist vergangene Woche in die Formel 1 eingestiegen.

Merchandising-Kooperation wird geprüft

Im Rahmen einer Rettungsaktion für den Filmrechtehändler EM.TV hat Kirch knapp 25 % an der Formel 1-Holding SLEC übernommen. Zudem besteht die Option, diesen Anteil aufzustocken. Die Kirch-Gruppe hatte betont, dass eine Verwertung der Formel 1-Rechte im Free-TV und nicht nur im Pay-TV (Premiere) sinnvoll sei. Auch eine Kooperation im Merchandising zwischen EM.TV und der Pro-Sieben 1-Gruppe-Sat schloss Rohner nicht aus. "Ich könnte mir vorstellen, dass es da Möglichkeiten gibt. Das werden wir prüfen", sagte er. Der Bereich, der unter Merchandising München firmiert, macht nur etwa 3 % des Pro-Sieben-Konzernumsatzes aus, bei einer allerdings zweistelligen Umsatzrendite.

Sat 1 will Senderauftritt verbessern

Ohnehin will Rohner die Rentabilität von Sat 1 deutlich steigern. 1999, vor der Fusion mit Pro Sieben, lag die Umsatzrendite von Sat 1 erst bei 3 %, davor gab es tiefrote Zahlen. Angepeilt ist in den nächsten Jahren eine Rendite von 16 % - das Niveau von RTL. "Wir werden an jeder Stellschraube drehen, wo dies sinnvoll ist", kündigte Rohner an. Insbesondere müsse Sat 1 den Senderauftritt verbessern, mahnte der Konzernchef an. Schwerpunkt sollen weiter die Bereiche Show, Sport sowie deutsche Serien und Spielfilme sein. Gleichzeitig soll die Nachrichtenkompetenz von Sat 1 gestärkt werden. "Das ist für die Zuschauerbindung sehr wichtig", so Rohner.

Die Integration der Sender in die Pro Sieben Sat 1 Media, vor der RTL-Familie Marktführer im deutschen Werbemarkt, läuft auf Hochtouren. Das Ziel, ab 2002 jährliche Synergien von rund 100 Mill. Euro zu realisieren, wird laut Rohner erreicht. Die Kosten für die Fusion, insgesamt rund 50 Mill. Euro, werden auf drei Jahre verteilt: 2000 rund 30 Mill. Euro, 10 bis 15 Mill. Euro in 2001 und 5 bis 10 Mill. Euro in 2002. Mit Ausnahme der zum Jahresende rückstellungsfähigen Kosten würde in Übereinstimmung mit handelsrechtlichen Bestimmungen der Aufwand dann gebucht, wenn er anfällt, betonte Rohner. Er wendet sich damit gegen die von einigen Analysten präferierte volle Berücksichtigung des Fusionsaufwands in 2000.

Rendite soll in 4 bis 5 Jahren auf 20 % steigen

Für das Geschäftsjahr 2000 wird im Markt mit einer Stagnation des Vorsteuerergebnisses bei etwa 190 Mill. Euro gerechnet. Ohne die anteiligen Fusionskosten von 30 Mill. Euro sind es 220 Mill. Euro. Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. "Es ist unser erklärtes Ziel, diese Markterwartung nicht zu enttäuschen", sagte dazu Rohner. Er betonte gleichzeitig, dass die Rendite im neuen Konzern in spätestens 4 bis 5 Jahren auf 20 % verdoppelt werde. 1999 lag sie nach einer Pro-forma-Rechnung wegen des schwachen Sat 1-Ergebnisses bei nur 10 %.

"Ich gehe davon aus, dass Pro-Sieben 1-Sat mittelfristig in den Dax 30 aufgenommen wird", unterstrich Rohner seine Ambitionen auf die höchste deutsche Aktienliga. Dazu müsste die Pro-Sieben-Gruppe aber sowohl beim Börsenumsatz als auch bei der Marktkapitalisierung unter den 35 stärksten Werten sein. Im November erfüllte das Unternehmen das erste Kriterium (Platz 32), verfehlte das zweite aber deutlich (Platz 47). Als Voraussetzung für den Aufstieg gelten auch die Abschaffung der Vorzugsaktien und eine Verbreiterung des Streubesitzes (derzeit 36 %). Dies ist eine Entscheidung von Großaktionär Leo Kirch (52,52 %). Weiterer Aktionär ist mit 11,48 % der Axel Springer Verlag.

Die Pro-Sieben-Aktie, derzeit im MDax notiert, war im Zuge der EM. TV-Krise auf ein neues Jahrestief abgerutscht. Am Freitag erholte sich der Kurs leicht auf 28 Euro.

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