Verein sucht Weg aus Finanzkrise
Jäggi malt düsteres Szenario

Der warme Geldregen im Pokal-Viertelfinale ist für den 1. FC Kaiserslautern nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Etwa 450 000 Euro ist der Einzug in die Runde der letzten Acht für die Pfälzer wert, doch angesichts der erdrückenden Finanzprobleme kam bei den Club-Verantwortlichen nur kurz Freude über den sportlichen Teilerfolg auf.

HB/dpa KAISERSLAUTERN. "Ich bin begeistert, wie die Mannschaft den Druck weggesteckt hat. Aber wir müssen jetzt sehen, wie eine drohende Insolvenz abzuwenden ist. Der Verein darf nicht Bankrott gehen", kommentierte Vorstandschef René C. Jäggi die neuen Hiobsbotschaften, die den 2:0-Erfolg gegen den SC Freiburg in den Hintergrund drängten.

Schon Anfang nächster Woche erwartet Jäggi den Bescheid vom Finanzamt Kaiserslautern, wie viel Geld der Verein wegen der offenbar in der Vergangenheit begangenen Steuersünden nachzahlen muss. Dass es dazu kommen wird, steht für den Schweizer außer Frage. "Ich rechne fest damit", sagte Jäggi und malte ein düsteres Szenario. "Das wird Auswirkungen auf die Bilanz haben. Und jede Abweichung bringt uns ins Wanken. Wir gehen auf ganz dünnem Eis, denn wir bewegen uns immer im Bereich der Überschuldung", erklärte Jäggi.

An den worst case - einen drohenden Punkt- oder sogar Lizenzentzug - mochte der Vorstandsvorsitzende erst gar nicht denken. In der kommenden Woche wird sich Jäggi mit der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) treffen, die seit Mittwoch wie das Finanzamt intensiv den vorgelegten Zwischenbericht der Saarbrücker Wirtschaftsprüfer von Price Waterhouse Coopers studiert. Darin ist dokumentiert, dass in den vergangenen fünf Jahren offenbar Millionensummen für die Gehälter ausländischer Stars wie Youri Djorkaeff oder Taribo West ins Ausland geflossen sind.

Zu dem gleichen Ergebnis waren zuvor bereits die vom Verein um eine Bewertung der Verträge gebetenen Anwälte Christoph Schickhardt und Egon Müller gelangt. Zwar haftet der Verein für eventuelle Unregelmäßigkeiten, doch verantwortlich ist laut Satzung der Vorstand. "In schwerwiegenden Fällen sind Regressforderungen gegenüber den handelnden Personen möglich", drohte Jäggi in Richtung Jürgen Friedrich und Gerhard Herzog, gegen die wegen des Verdachts der Untreue und Steuerhinterziehung ermittelt wird.

Doch Jäggi muss schnelle Lösungen zur Bewältigung der Krise finden, nachdem die Transferrechte an Miroslav Klose bereits verpfändet worden sind und auch vom zuvor stark engagierten Land keine weitere Finanzspritze zu erwarten ist. Daher schließt der FCK- Boss auch einen Verkauf des Fritz-Walter-Stadions offenbar nicht mehr aus. "Muss der Verein das Stadion besitzen?", fragte Jäggi, der schon vor zwei Monaten angekündigt hatte: "Notfalls muss man heilige Kühe schlachten."

Zumal beim Umbau der Arena für die WM 2006 immer neue Probleme auftauchen. Nach Angaben von Jäggi verzögert sich die Fertigstellung der Osttribüne um ein halbes Jahr bis Juni 2003. Den Pfälzern stehen dadurch in neun Heimspielen jeweils 8 000 Plätze weniger zur Verfügung. "Ab jetzt gibt es Schadensersatz", erklärte Jäggi. Doch bei der Philipp ist nichts zu holen, da sich das Bauunternehmen in der Insolvenz befindet. Der Verein will im Gegenzug nur einen Bruchteil der Baukosten-Erhöhung von 3,5 Millionen Euro akzeptieren.

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