Vereinbarung eine Demütigung - Auch Kritik geistlicher Führer
General Dostum boykottiert Übergangsregierung

Der Usbekenführer General Abdul Raschid Dostum kündigte am Donnerstag den Boykott der neuen Regierung an, da seine Gruppe nicht ausreichend in ihr vertreten sei. Ein geistlicher Führer der Paschtunen, Sajed Ahmad Gailani, bezeichnete die am Mittwoch von vier afghanischen Gruppen unterzeichnete Vereinbarung als ungerecht.

Reuters KABUL. "Wir sind sehr traurig", erklärte Dostum via Satellitentelefon. "Wir geben den Boykott dieser Regierung bekannt und werden solange nicht nach Kabul gehen, bis dort eine vernünftige Regierung im Amt ist." Die Vereinbarung sei eine Demütigung, sagte Dostum. Er habe für seine Fraktion das Außenministerium gefordert, stattdessen aber die Ressorts Landwirtschaft, Bergbau und Industrie bekommen. Er werde den Vertretern der neuen Regierung den Zutritt in den Norden des Landes verweigern, kündigte er außerdem an. Dostums Dschunbisch-i-Milli-Fraktion, die zur Nordallianz gehört, kontrolliert große Gebiete im Norden Afghanistan, darunter auch die Stadt Masar-i-Scharif. Gailani, sagte, bei der Verteilung der Ministerien sei es zu Ungerechtigkeiten gekommen. So seien diejenigen, die seinerzeit eine wichtige Rolle im Kampf gegen die sowjetische Besatzung gespielt hätten, nicht vertreten gewesen. Für Gailani hatte sein Sohn an der neuntägigen Konferenz in Deutschland teilgenommen.

Am Mittwoch hatten sich Vertreter afghanischer Volksgruppen bei Bonn auf die Bildung einer Übergangsregierung geeinigt, die die Grundlage für Frieden und Wiederaufbau in Afghanistan schaffen soll. Mit dem Paschtunenführer Hamid Karsai an der Spitze soll sie am 22. Dezember ihre Arbeit aufnehmen. Karsai war kurz nach seiner Ernennung nach US-Angaben von einer fehlgeleiteten US-Bombe in der Nähe der letzten Taliban-Hochburg Kandahar im Süden des Landes leicht verletzt worden.

Rund 2 000 Anti-Taliban-Kämpfer eroberten nach eigenen Angaben weitere Gebiete in der Tora-Bora-Region, wo sich Bin Laden und Kämpfer seiner El-Kaida-Organisation in einer Höhlenfestung versteckt halten sollen. Dabei seien 22 ausländische Söldner Bin Ladens getötet worden. Ein Sprecher der Anti-Taliban-Kämpfer sagte, es sei möglich, dass der Moslem-Extremist in das Spin-Ghar-Gebirge westlich von Tora Bora geflohen sei. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte dem Fernsehsender CNN, trotz der seit 60 Tagen anhaltenden Bombardements seien die meisten Anführer der Taliban und der El Kaida noch am Leben.

In Berlin sollte am Donnerstag die Konferenz westlicher Geberländer für Afghanistan abgeschlossen werden. Bei einer früheren Konferenz Anfang Oktober in Genf wurden für humanitäre Hilfe rund 1,3 Mrd. DM zugesagt.

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