Vereine nehmen Versorger ins Depot
Investmentclubs setzen auf defensive Werte

Die drei großen, professionell gemanagten Investmentclubs in Deutschland mit Depotvolumina von bis zu 50 Millionen Euro setzen zurzeit einmütig auf defensive Werte wie Versorger. In allen Depots findet sich zum Beispiel Eon, beim Itzehoer Aktien Club (IAC) ebenso wie beim Hanseatischen Aktien-Club (HAC) aus Hamburg und dem Münchner Investment Club (MIC).

HB FRANKFURT. Darüber hinaus haben sich die Clubs aber unterschiedlich ausgerichtet: So setzen die Münchener, wie MIC-Clubchef Andreas Grünewald erklärt, aktuell auf mehr Sicherheit. Neben ihrem "Aktien-plus-Depot" haben sie im April ein Depot mit Schwerpunkt Renten eröffnet. Bislang sind die dafür eingesammelten 200 000 Euro am Geldmarkt geparkt, sukzessive soll das Depot nun zu 70 Prozent in überwiegend mittlere Laufzeiten aus dem Euroraum umgeschichtet werden.

In seinem anderen Depot hat der MIC den Aktienanteil mit derzeit 56 % relativ gesehen untergewichtet, normalerweise hält der Club rund 70 % dieses Depots in Aktien. Der MIC investiert verstärkt in dividendenstarke Werte, hauptsächlich in Europa. Zu den Branchenschwerpunkten zählen neben Versicherern, deren Kerngeschäft laut Grünewald intakt ist und denen deshalb weniger hohe Sonderbelastungen in den nächsten Jahren drohen, Hersteller von Generika. Für diese Werte sieht er Potenzial wegen der Überalterung der Bevölkerung. Favoriten sind DSM, Novartis, die israelische Teva sowie Stada. Ferner setzt Grünewald auf Grundstoff-Titel: "Öl und Wasser werden in den nächsten Jahren beherrschende Themen sein." Die Münchener halten unter anderem Fuchs-Petrolub, Royal Durch, Total und Endesa.

Solche Werte gehören auch zu den Favoriten der Hamburger: Wie HAC-Chef Michael Arpe erklärt, setzen sie zurzeit zu 15  % auf Versorger, zu 15 % aufÖl- und Gastitel, zu 15  % auf Banken und Versicherungen und zu 10 % auf Finanzdienstleister. In ihrem Depot finden sich auch Royal Dutch.

Die Hamburger setzen sich aber in einem anderen Punkt vom Wettbewerb ab, haben sie doch einen Fonds eingeführt, der im Mai in Deutschland zugelassen wurde. Ihre Begründung: Die gesellschaftliche Organisationsform der "Gesellschaft bürgerlichen Rechts" sei oft bei Behörden und beim Gesetzgeber nicht einzuordnen gewesen, außerdem sei ein Fonds flexibler und kostengünstiger; so liegen die Managementgebühren im Fonds bei 1,8 % per annum, im Club lagen sie bei 3 %. Allerdings kommt ein Ausgabeaufschlag von 2,5 % für Mitglieder dazu - vom Clubgedanken bewegen sich die Hamburger damit weg.

Unterdessen halten die Itzehoer an ihrer Strategie fest, möglichst stark in Aktien investiert zu sein. Damit liegen sie im Dreijahresvergleich bis Ende Mai mit einem Minus von 47,89 % in der Mitte der Konkurrenz; der HAC verbuchte einen Verlust von 48,93 %, der MIC von 45 %, der MSCI World fiel in dieser Periode um 49,29 %. Gegenwärtig hat der Club laut Portfolioverwalter Martin Paulsen knapp die Hälfte des Depots in US-Titel gesteckt, hält eine Cashquote von 8 % und lässt Renten außen vor. "Das niedrige Zinsniveau birgt eindeutig mehr Risiken als Chancen für Anleihenbesitzer", kommentiert Paulsen.

Dennoch: Die Favoriten unterscheiden sich nicht sehr von denen der anderen Clubs, etwa GlaxoSmithKline oder Royal Dutch. Auch der Finanzsektor ist berücksichtigt, unter den 15 größten Aktienpositionen befindet sich die Citigroup.

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