Vereine verschlanken Kader
Trainingscamp für arbeitslose Profis

Im Trainingslager der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) Mitte Juni in Duisburg steht nicht die Leistung, sondern die Hoffnung auf einen neuen Arbeitsplatz im Mittelpunkt.

HB/dpa DÜSSELDORF. Die Spielergewerkschaft will Profis ohne Job nach französischem und englischen Vorbild die Chance geben, sich fit zu halten, um bis zum 31. August (Transferschluss) doch noch einen Vertrag zu erhalten. "Wir werden das auf jeden Fall den ganzen Sommer durchziehen", kündigte VdV-Geschäftsführer Thomas Hüser.

Angesichts der brenzligen Finanzlage der deutschen Profiligen rechnet der VdV damit, dass zahlreiche Spieler arbeitslos werden. "Realistisch ist, dass im Schnitt drei Profis pro Kader nicht weiter beschäftigt werden", so Hüser. Geht man von 72 Vereinen im bezahlten Fußball - je zwei Bundes- und Regionalligen - aus, wären dies 216 Lizenzspieler. Auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) sieht dieser Arbeitslosenwelle mit Sorge entgegen und will ebenfalls Hilfe anbieten. "Profis über 30 wollen wir die Möglichkeit geben, die Trainer-A-Lizenz in den Sommermonaten zu machen", sagte DFL - Geschäftsführer Heribert Bruchhagen.

Kein Verein wird sich dem Sparzwang entziehen können

Da aus rechtlichen Gründen bestehende Verträge nicht geändert und Gehaltskürzungen verfügt werden können, müssen die Proficlubs ihre Kader unweigerlich verschlanken. "Wir müssen unseren Etat nicht mit der Feder, sondern mit der Axt zusammenhauen", sagt Bayer Leverkusens Manager Reiner Calmund, der für die Saison 2003/2004 bis zu 30 Millionen Euro weniger in die Kasse bekommt. Und dies gehe "nur durch Einsparungen bei Transfers und Personalkosten".

Kein Verein wird sich dem Sparzwang entziehen können, rechnet die DFL doch durch die geringeren Einnahmen aus Fernsehverträgen mit einem Umsatzrückgang von 180 Millionen Euro. Zudem hat sich der Schuldenberg der 36 Bundesliga-Clubs seit der Spielzeit 1998/99 von 350 auf 599 Millionen Euro erhöht. Bis zum 11. Juni wird man wissen, ob auch die 13 Profi-Vereine, die von der DFL gestellten Bedingungen erfüllen und eine Lizenz für die neue Saison erhalten.

"Wir sind in einer schwierigen Lage", sagt Bruchhagen. Einen Grund zur Dramatisierung sieht er aber nicht: "Die Vereine müssen tun, was ein mittelständischer Autohändler auch machen würde, Strukturen verändern und die Ausgaben anpassen." Und inzwischen würden die Clubs professionell genug gelenkt, um das zu schaffen. "Auch in der 2. Liga werden die Vereine nicht mehr von Stollen tragenden Profis geführt."

Dennoch sieht er auch positive Entwicklungen. "Die Zuschauerzahlen sind glänzend. Daraus resultiert ein gewisser Optimismus", so Bruchhagen. In der 40. Saison gab es mit 10,161 Millionen Besuchern einen neuen Rekord. Allerdings schlagen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf mit nur rund 16,5 Prozent in den Etats zu Buche.

Nachwuchs hat nun bessere Chancen

Der Zuschauerboom wird deshalb nicht genug Geld in die Kassen spülen, um große Sprünge auf dem Transfermarkt zu machen. Schon Anfang der vorigen Saison investierten die 18 Erstligaclubs nur 117 Millionen Euro - ein Drittel unter der Rekordmarke (173,1 Mio.) von 2001/2002. "Da wird sich nicht viel bewegen", prognostiziert Hüser.

Möglicherweise ist dies eine Chance für den Nachwuchs, schneller ins Profi-Geschäft zu drängen. Der mit 15 Millionen Euro verschuldete VfB Stuttgart machte es mit seinen "jungen Wilden" als Vizemeister vor. Bruchhagen: "Ich weiß nicht, ob dies ein Vorbild für alle sein kann. Doch vielleicht machen auch andere aus der Not eine Tugend."

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