Verfahren fortgesetzt
Motassadeq kannte alle Hamburger Verdächtigen

Im Prozess um die Anschläge vom 11. September hat der angeklagte Marokkaner Mounir El Motassadeq enge Kontakte zu allen anderen aus Hamburg stammenden mutmaßlichen Helfern der Attentäter eingeräumt.

Reuters HAMBURG. Er schilderte diese am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht Hamburg jedoch als normale Freundschaften und bestritt wie schon am Vortag jegliche Kenntnis von den Attentatsplänen.

Der 28-Jährige ist der Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Die Bundesanwaltschaft sieht in El Motassadeq einen wichtigen Helfer bei der Vorbereitung der Anschläge auf das New Yorker World Trade Center und das US-Verteidigungsministerium.

El Motassadeq bestätigte am Mittwoch weitere Kontakte zu jenen Moslems in Hamburg, die sich dort aus Sicht der Bundesanwaltschaft um den Anschlagspiloten Mohamed Atta mit engen Kontakten zum El Kaida-Netzwerk des Moslem-Extremisten Osama bin Laden zusammengeschlossen hatte.

Der Angeklagte berichtete, wie er den vor wenigen Wochen in Pakistan festgenommenen Ramzi Binalshibh und die noch international gesuchten mutmaßlichen Helfer Said Bahaji und Zakariya Essabar in Hamburg kennengelernt habe. Diese seien nach und nach in die Wohnung Attas in der Marienstraße in Hamburg-Harburg gezogen.

Den mutmaßlichen Attentatshelfer Essabar hat der Angeklagte nach eigener Darstellung rein zufällig im Sommer 2000 im militärischen Trainingscamp in Afghanistan getroffen. Dass er seinerzeit selbst für drei Wochen eine Schießausbildung in einem der maßgeblich von El Kaida organisierten Lager erhielt, hatte El Motassadeq zur Überraschung von Gericht und Bundesanwälten zum Prozessauftakt am Dienstag zugegeben. Allerdings nannte er ausschließlich religiöse Motive, weil der Koran eine Militärausbildung von gläubigen Moslems fordere.

Mehrere Freunde reisten vor Anschlägen nach Afghanistan

Der Angeklagte berichtete auch, dass Essabar sowie Bahaji sich Anfang August 2001, also wenige Wochen vor den Anschlägen, nochmals auf den Weg nach Afghanistan gemacht hätten. Was dann aus ihnen geworden sei, wisse er nicht. Bahaji habe ihn Anfang September noch mal angerufen, vermutlich aus Pakistan, sagte El Motassadeq. Dieser habe gesagt, er mache dort gerade ein Praktikum. An mehr könne er sich nicht erinnern. Auch Binalshibh, der in dem Prozess möglicherweise als Zeuge befragt wird, habe er im August 2001 das letzte Mal in Hamburg gesehen. Wohin dieser gereist sei, konnte El Motassadeq nicht sagen.

Wie am ersten Prozesstag zeigte sich der 28-Jährige kooperativ und beantwortete bereitwillig alle Fragen des 3. Strafsenats unter Vorsitz von Richter Albrecht Mentz und der Bundesanwälte. Der Mann, der laut Anklage als "Statthalter" für die Finanzierung der Pilotenausbildung von Atta und zwei weiterer Todespiloten in den USA sorgte, schilderte die Kontakte als harmlose Freundschaften. So habe er Bahaji eine Vollmacht für sein Konto gegeben, als er selbst in seiner marokkanischen Heimat gewesen sei, sagte El Motassadeq. Bei Binalshibh sei ihm lediglich aufgefallen, dass er sich um sein Ingenieurstudium an der Technischen Universität Harburg nur wenig gekümmert habe. "Ich kannte ihn auch nicht unter dem Namen Binalshibh, sondern unter dem Namen Omar", sagte der Angeklagte.

Der Prozess, für den mehr als 160 Zeugen benannt sind, soll mehrere Monate dauern. Dem Angeklagten droht im Fall einer Verurteilung eine lebenslange Haftstrafe.

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