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Verfahren gegen Ex-Vivendi-Chef Messier

Paris (dpa) - Die französische Justiz hat gegen den früheren Chef des französischen Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, ein formelles Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Manipulation der Aktienkurse, Irreführung der Finanzmärkte und Untreue eingeleitet.

Paris (dpa) - Die französische Justiz hat gegen den früheren Chef des französischen Medienkonzerns Vivendi Universal, Jean-Marie Messier, ein formelles Ermittlungsverfahren wegen des Vorwurfs der Manipulation der Aktienkurse, Irreführung der Finanzmärkte und Untreue eingeleitet.

Pariser Finanzrichter hatten die Entscheidung nach mehr als vierstündigem Verhör am frühen Mittwochmorgen gefällt. Der einstige Starmanager, der 36 Stunden in Polizeigewahrsam gewesen war, wurde gegen eine Kaution von 1,35 Millionen Euro zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt. In einem Kommuniqué verteidigte sich Messier gegen alle Anschuldigungen.

Mit Aufkäufen im großen Stil hatte der einst als brillant und visionär gefeierte Manager um die Jahrtausendwende Vivendi von einem Wasserversorger in einen der weltweit führenden Medienkonzerne verwandelt. Mitten im Börsenboom stand der Aktienkurs im Zentrum der Expansionsstrategie. Die Richter werfen Messier nun vor, die Märkte mit irreführenden Bilanzdaten getäuscht, den Aktienkurs manipuliert und bei der Regelung seines Abschieds Untreue begangen zu haben. Der Vorwurf des Insidervergehens wurde fallen gelassen.

Vivendi hatte nach den Anschlägen auf das New Yorker World Trade Center 2001 mit dem Aufkauf eigener Aktien für fast eine Milliarde Euro auf Kursstürze an den panischen Börsen reagiert. Die Aktion soll wegen ihres Ausmaßes und des Zeitpunkts kurz vor Vorlage des Halbjahresberichts gegen das Aktienrecht verstoßen haben. Er habe «im Interesse der Nicht-Spekulanten unter den Aktionären gehandelt, um den exzessiven Marktäußerungen nicht das Feld zu überlassen», erklärte Messier am Mittwoch. Die US-Börsenaufsicht SEC habe damals unbegrenzte Aktienaufkäufe genehmigt und auch die Pariser Börsenaufsicht habe ihre Regeln aufgeweicht.

Zum Vorwurf der irreführenden Bilanzierung erklärte Messier, dabei gehe es um die bei Vivendi immer noch praktizierte Form der Konsolidierung der Telefon-Töchter, die von der Börsenaufsicht akzeptiert worden sei. Vivendi soll liquide Mittel der Telefonfirmen herausgestellt haben, auf die der Mutterkonzern keinen Zugriff hatte. Der Vorwurf der Untreue bezieht sich Messier zufolge nur auf die Regelungen seines Rücktritts 2002. Ihm werde keine Bereicherung vorgeworfen. Nach einem Rekordverlust von 13,6 Milliarden Euro hatte Messier 2002 den Konzern verlassen. Erst nach heftigen Protesten verzichtete er auf eine Abfindung von 20,5 Millionen Euro. Messier hatte die Ermittlungen gegen sich befürwortet, um sich vor der Justiz gegen die Vorwürfe verteidigen zu können. dpa hn xx gö rg

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